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  • Wie ein einsamer, melancholischer Vogel
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Erwachet! 1994
g94 8. 5. S. 15

Wie ein einsamer, melancholischer Vogel

EINEN Schönheitswettbewerb für Vögel würde er wohl kaum gewinnen, denn er beeindruckt weder durch prachtvolle Farben noch durch einen eleganten Körperbau. Mit einem braunen Gefieder habe ich ihn in Florida (USA) gesehen, wo er wie die deutschen Stukasa im Zweiten Weltkrieg im Sturzflug auf die Wasseroberfläche zuschoß und nach Fischen tauchte. In Chile war seine obere Partie weiß, doch hatte er schwarze Flügel und einen schwarzen Rumpf. (Siehe Foto.) Zusammen mit seinen Artgenossen saß er in melancholischer Haltung regungslos auf einem Felsen im Pazifik bei Valparaiso — wahrscheinlich um sich Zeit für die Verdauung zu gönnen.

Da er bis 14 Kilogramm schwer und über 1,5 Meter lang wird und mitunter eine Flügelspannweite von 3 Metern erreicht, ist er einer der größten Vögel überhaupt. Auf dem Land wirkt er zwar etwas plump und tolpatschig, aber seinen fast mühelosen Flug zu beobachten ist ein Genuß. Bei der Nahrungssuche kann er mehr als 13 Liter Wasser samt der darin schwimmenden Beute aufnehmen! Um welchen Vogel handelt es sich? Um den Pelikan.

Der Pelikan ist in vielen Gebieten der Erde an Seen, Flüssen und Küsten zu Hause. Sein langer Schnabel mit dem geräumigen Hautsack ist für seine spezielle Art des Fischens ideal konstruiert. Während er taucht, füllt er den Hautsack mit Wasser und Beute. Dann läßt er schnell das Wasser herausfließen, und schwupp hat er seinen Imbiß verschlungen!

In der Bibel wird der Pelikan mehrmals erwähnt, unter anderem — wegen seiner Vorliebe für einsame, unwirtliche Stellen — als ein Sinnbild völliger Verödung (Jesaja 34:11; Zephanja 2:13, 14). Dazu heißt es in dem biblischen Nachschlagewerk Einsichten über die Heilige Schrift: „Wenn sich der Pelikan satt gefressen hat, fliegt er oft an einen einsamen Ort, wo er eine melancholische Haltung einnimmt. Er läßt seinen Kopf auf die Schultern sinken und ... [verharrt] in dieser Stellung stundenlang, weshalb er zu der melancholischen Untätigkeit paßt, auf die der Psalmist Bezug nimmt.“ Der Psalmist veranschaulichte die Bitterkeit seines Kummers mit den Worten: „Ich bin tatsächlich dem Pelikan der Wildnis ähnlich“ (Psalm 102:6). Falls wir uns also jemals einsam fühlen und melancholisch sind, sollten wir vielleicht daran denken, daß wir in gewisser Hinsicht einem Pelikan gleichen. (Eingesandt.)

[Fußnote]

a Sturzkampfbomber vom Typ Junkers Ju 87, deren leicht angewinkelte Flügel die Form eines W ergaben.

[Bilder auf Seite 15]

Pelikane in Chile

Kleines Bild: Floridas Braunpelikan

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