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  • Deine Treue zu Gott, der „im Verborgenen zusieht“
    Der Wachtturm 1985 | 15. April
    • Deine Treue zu Gott, der „im Verborgenen zusieht“

      „Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten“ (MATTHÄUS 6:6).

      1, 2. Welches Beispiel zeigt, daß scheinbar private Angelegenheiten bekanntwerden können? (1. Samuel 21:7; 22:9).

      VOR einigen Jahren rief eine Zeugin Jehovas ihren andersgläubigen Bruder auf Long Island (New York) an. Sie erzählte ihm von Gottes Verheißung, die Bosheit von der Erde zu beseitigen und paradiesische Verhältnisse wiederherzustellen. Als das Gespräch zu Ende war und ihr Bruder auflegte, war sie überrascht, eine Stimme sagen zu hören: „Warten Sie einen Augenblick — ich möchte Ihnen eine Frage stellen.“

      2 Es war die Stimme der Telefonistin. Sie hatte mitgehört. Das war bei dem damaligen Telefonsystem noch möglich, obwohl es dem Anstand und den Betriebsvorschriften zuwiderlief. Die Zeugin war erfreut, daß ihre Worte solches Interesse geweckt hatten, und vereinbarte ein weiteres Gespräch, war jedoch bestürzt darüber, daß ihr Telefonat nicht geheim geblieben war. Ja, manchmal sehen und hören andere etwas, was wir als geheim betrachten (Prediger 10:20).

      3. In welchem Sinne ist das Leben der Christen ein ständiges Schauspiel?

      3 Das sollte wahre Christen, die sich bemühen, jederzeit Gott treu zu sein, nicht vor große Probleme stellen. Der Apostel Paulus sagte: „Wir sind der Welt ein Schauspiel geworden, sowohl Engeln als auch Menschen“ (1. Korinther 4:9). Er spielte damit auf einen Brauch der Gladiatoren in der Arena an. Vor der Schlußvorführung stellten die Römer jeweils diejenigen, die kämpfen und wahrscheinlich sterben würden, unbekleidet zur Schau. Christen sind heute ebenfalls ein Schauspiel vor ungläubigen Verwandten, Arbeitskollegen, Nachbarn und Schulkameraden. Die Beobachter bilden sich aufgrund dessen, was sie bei uns sehen, eine gute oder eine schlechte Meinung über das Christentum (1. Petrus 2:12).

      4. Wie wirkt es sich aus, wenn jemand weiß, daß andere ihn beobachten?

      4 Wenn wir wissen, daß andere uns beobachten, bemühen wir uns sicher um ein richtiges Verhalten, weil wir den gleichen Wunsch haben wie Paulus: „In keiner Weise geben wir irgendeine Ursache zum Straucheln, damit unser Dienst nicht bemängelt werde“ (2. Korinther 6:3). Dadurch, daß wir die Augen anderer auf uns gerichtet wissen, werden wir in unserem Entschluß bestärkt, das Rechte zu tun. Wie verhält es sich jedoch, wenn wir sozusagen „hinter verschlossenen Türen“ auf unsere Grundsatztreue geprüft werden?

      Er blickt hinter das Äußere

      5. Welcher Gegensatz bestand zwischen dem Verhalten der jüdischen Führer in der Öffentlichkeit und ihrem Verhalten im Privatbereich?

      5 Viele religiöse Führer der Juden im ersten Jahrhundert stellten eine Persönlichkeit zur Schau, die nicht ihrem Inneren entsprach. Jesus ermahnte in der Bergpredigt: „Achtet gut darauf, daß ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden“ (Matthäus 6:1, 2). Die religiösen Führer waren wie Becher, die äußerlich rein, ‘innen aber mit Raub und Unmäßigkeit gefüllt sind’, wie ‘getünchte Gräber, die zwar von außen schön scheinen, innen aber voller Totengebeine und allerlei Unreinigkeit sind’ (Matthäus 23:25-28; vergleiche Psalm 26:4).

      6. Was kann Jehova bei uns beobachten?

      6 Diese Worte sollten uns helfen, zu erkennen, daß Jehova nicht nur an dem interessiert ist, was andere Menschen sehen. Jesus riet: „Wenn du betest, geh in deinen Privatraum, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten“ (Matthäus 6:6). Ja, Gott kann unsere Gebete hören, wenn wir von anderen Menschen isoliert sind. Nichts entgeht Gottes Aufmerksamkeit. Er ist imstande, zu beobachten, wie sich ein Embryo entwickelt, indem er vielleicht sogar den genetischen Code liest, der später die Merkmale der betreffenden Person bestimmen wird (Psalm 139:15, 16; 1. Mose 25:23). Er kann sogar die geheimen Neigungen unseres Herzens wahrnehmen (1. Samuel 16:7; 1. Könige 8:39; Jeremia 17:10; Apostelgeschichte 1:24). Überlege, wie diese Tatsachen uns berühren sollten.

      7. Worin kann sich ein Christ möglicherweise verbessern?

      7 Um wahre Christen werden zu können, mußten wir daran arbeiten, große Fehler und Sünden abzulegen, so wie die ersten Christen (1. Korinther 6:9-11; Apostelgeschichte 26:20; 1. Petrus 4:1-4). Wie verhält es sich jedoch mit Fehlern, die anderen Menschen nicht bekannt sein mögen? Diese sind nicht etwa weniger schwerwiegend, nur weil sie nicht öffentlich bekannt sind. David deutete das wie folgt an: „Wer irgend seinen Gefährten insgeheim verleumdet, den bringe ich zum Schweigen. Irgendeinen mit hochmütigen Augen und einem anmaßenden Herzen, den kann ich nicht ertragen“ (Psalm 101:5). Jemand zu verleumden war ein Unrecht, selbst wenn man es im geheimen, nur vor einem einzigen Zuhörer, tat. David hätte also diese „geheime“ Sünde nicht gebilligt.

      8. Woher wissen wir, daß verborgene Fehler nicht Jehovas Aufmerksamkeit entgehen?

      8 Ebensowenig sollte sich der Missetäter einbilden, der Fehltritt würde Gottes Aufmerksamkeit entgehen. Gott sieht nämlich „im Verborgenen“ zu. Er hat bewiesen, daß er an der Treue der Menschen interessiert ist, selbst wenn ihre Taten nicht öffentlich bekannt sind. Denke an den Fall Achans. Die Israeliten sollten Jericho und seine Einwohner, die böse Kanaaniter waren, vernichten. Nur das Silber, das Gold und das Kupfer waren ausgenommen, da sie für den Schatz des Heiligtums Gottes bestimmt waren (Josua 6:17-19). Achan gab jedoch der Versuchung nach und nahm ein kostbares Gewand, etwas Silber und Gold. Er verbarg dieses Diebesgut unter seinem Zelt, weil er vielleicht dachte, niemand wisse es. Konnte er aber denjenigen täuschen, der „im Verborgenen zusieht“? Nein. Gott sorgte dafür, daß Achans Sünde öffentlich bekannt wurde und er und seine Hausgenossen mit dem Tod bestraft wurden (Josua 7:1, 16-26).

      9. Was müssen wir tun, um Gottes Anerkennung zu erlangen und zu behalten?

      9 Elihu sagte treffend über Jehova: „Seine Augen sind auf die Wege des Menschen gerichtet, und all seine Schritte sieht er. Da ist keine Finsternis und kein tiefer Schatten für die Schadenstifter, daß sie sich dort verbergen“ (Hiob 34:21, 22). Wenn wir also Jehovas Anerkennung erlangen und behalten möchten, müssen wir uns bemühen, seinen Grundsätzen gemäß zu leben, und zwar sowohl dann, wenn wir wissen, daß andere uns beobachten, als auch dann, wenn es so scheint, als bleibe unser Verhalten ungesehen. Zu jeder Zeit ‘sind seine Augen auf die Wege des Menschen gerichtet’.

      10. (a) Welches vorzügliche Beispiel hinterließ Paulus in bezug auf verborgene Taten? (b) Auf welchen Gebieten müssen wir besonders darauf achten, daß wir keine geheimen Fehler begehen?

      10 Ein Christ macht vielleicht eine Prüfung durch, die seinen Mitgläubigen verborgen ist. Das widerfuhr Paulus, während er im Gefängnis war. Die Juden hatten die Anklage erhoben, er ‘errege Aufstände’ und ‘versuche, den Tempel zu entweihen’ (Apostelgeschichte 24:1-6). Paulus bezeugte seine Unschuld vor dem römischen Prokurator Felix, den Historiker als grausam und unmoralisch bezeichnen. Felix behielt Paulus in Haft, da er „hoffte ..., daß ihm von Paulus Geld gegeben werde“ (Apostelgeschichte 24:10-21, 26). Obwohl der Apostel den Rat der Bibel über das Geben und Annehmen von Geschenken zur Beeinflussung der Rechtsprechung kannte, hätte er auf den Gedanken kommen können, es wäre zweckmäßig, durch Bestechung freizukommen. Da die Bestechung hätte geheimgehalten werden können, hätte Paulus nicht befürchten müssen, dadurch andere zum Straucheln zu bringen (2. Mose 23:8; Psalm 15:1, 5; Sprüche 17:23). Doch Paulus dachte nicht so. In der Neuzeit haben viele Diener Jehovas Prüfungen durchzumachen, die beispielsweise Gottes Gesetz über das Blut, die Selbstbefleckung und den Alkoholmißbrauch betreffen. Wir wollen nun betrachten, wie du oder deine Angehörigen in solche Prüfungen geraten könnten.

      Prüfungen in der Blutfrage

      11. Was ist die Grundlage für die christliche Ansicht über den Gebrauch des Blutes?

      11 Gottes Gesetz über das Blut ist gewiß nicht neu oder unklar. Jehova gebot der ganzen Menschheit durch unseren gemeinsamen Vorvater Noah: „Fleisch mit seiner Seele — seinem Blut — sollt ihr nicht essen“ (1. Mose 9:4). Die Heiligkeit des Blutes, das das von Gott erhaltene Leben darstellt, wurde im mosaischen Gesetz hervorgehoben. Auf dem Altar konnte Blut verwendet werden, aber sonst mußte es ‘auf die Erde ausgegossen werden wie Wasser’ (3. Mose 17:11-14; 5. Mose 12:23-25). Bestand nach der Aufhebung des mosaischen Gesetzes weiterhin das Verbot der Erhaltung des Lebens mit Hilfe von Blut? Jawohl. Bei dem Anlaß, der von manchen als das erste christliche Konzil bezeichnet wird, kamen die Apostel und die älteren Männer (die die leitende Körperschaft bildeten) zu dem Schluß, daß sich Christen des ‘Götzendienstes, der Hurerei, des Erwürgten [in dem Blut zurückgeblieben ist] und des Blutes enthalten’ müssen. Der Mißbrauch des Blutes wurde als eine ebenso schwere moralische Verfehlung eingestuft wie unerlaubter Geschlechtsverkehr (Apostelgeschichte 15:20, 21, 28, 29).

      12. Welchen Standpunkt vertraten die ersten Christen in der Blutfrage?

      12 Die ersten Christen gehorchten Gottes Gesetz über das Blut. Damals tranken einige Leute das Blut von Gladiatoren als „Heilmittel“ gegen Epilepsie. Wahre Christen dagegen taten das nicht. Ebensowenig aßen sie Nahrungsmittel, die Blut enthielten, selbst wenn diese Weigerung für sie und ihre Kinder den Tod bedeutete. Seither haben verschiedene Theologen und andere Gelehrte zugegeben, daß Christen unter dem Gesetz Gottes stehen, das die Erhaltung des Lebens durch die Aufnahme von Blut verbietet.

      13. (a) Warum könntest du eines Tages in eine Prüfung hinsichtlich der Blutfrage geraten? (b) Welchen Hauptgrund für die Verweigerung von Blut sollten wir als Christen im Sinn behalten?

      13 In jüngster Zeit ist die Bluttransfusion zu einem beliebten medizinischen Hilfsmittel geworden. Deswegen kann ein Christ in Verbindung damit in eine Prüfung geraten. Ärzte, Krankenschwestern und sogar Verwandte mögen ihn sehr bedrängen, in eine Bluttransfusion einzuwilligen. Informierte Personen wissen natürlich, daß Bluttransfusionen erhebliche Risiken in sich bergen. In der Zeitschrift Time (5. November 1984) wurde erklärt, daß „jedes Jahr etwa 100 000 Amerikaner sich durch Bluttransfusionen Hepatitis zuziehen“, hauptsächlich durch einen „mysteriösen Virus, der nur mittels eines Eliminationsprozesses identifiziert werden kann“. Die Time berichtete auch über mehr als 6 500 Fälle von AIDS (erworbener Mangel an Abwehrkraft), von denen einige „mit Bluttransfusionen im Zusammenhang“ stehen. In dem Bericht hieß es: „Fast die Hälfte der Opfer ist gestorben, aber die höchste Sterblichkeitsrate mag bei 90 % oder darüber liegen.“ Natürlich stützen Jehovas Zeugen ihre Weigerung nicht auf das Argument, daß Blut ein schlechtes Arzneimittel ist. Selbst wenn Ärzte versichern könnten, daß eine Bluttransfusion völlig unbedenklich wäre, gebietet uns Gottes Wort, uns ‘vor Blut zu bewahren’ (Apostelgeschichte 21:25).

      14. In welche „geheime“ Prüfung hinsichtlich des Blutes könntest du geraten?

      14 Stell dir vor, man würde dir sagen, du brauchtest dringend eine Bluttransfusion. Würde dir nicht sofort Gottes Gesetz über das Blut in den Sinn kommen? Wenn Mitchristen anwesend wären, würdest du wahrscheinlich in deinem Beschluß bestärkt werden, Gott zu gehorchen, ganz gleich, welche unmittelbaren Folgen das mit sich bringen würde. (Vergleiche Daniel 3:13-18.) Was wäre jedoch, wenn ein Arzt oder ein Richter dich im persönlichen Gespräch bedrängen würde, Blut zu nehmen, und dir sogar sagen würde, er werde vor Gott die Verantwortung dafür übernehmen?

      15. Wie denken manche Ärzte und Richter fälschlicherweise über unseren Standpunkt zur Blutfrage?

      15 Berichten aus verschiedenen Ländern ist zu entnehmen, daß manchmal Ärzte, Krankenhausangestellte und Richter irrtümlicherweise denken, Jehovas Zeugen würden in der Öffentlichkeit die Bluttransfusion ablehnen, aber persönlich oder im Innern anders darüber denken. In einem Fall schlußfolgerte ein Richter eigentümlicherweise, „daß die Wurzel des Problems nicht in der religiösen Überzeugung ... [der Patientin] lag, sondern in ihrer Weigerung, eine vorher schriftlich niedergelegte Bewilligung einer Bluttransfusion zu unterzeichnen. Sie wandte nichts dagegen ein, diese Behandlung zu erhalten, aber sie würde deren Anwendung nicht verlangen.“ Statt sich jedoch lediglich zu weigern, die „Bewilligung einer Bluttransfusion“ zu unterzeichnen, sind Jehovas Zeugen dafür bekannt, daß sie sehr darauf bedacht sind, rechtsgültige Dokumente zu unterzeichnen, die das behandelnde Personal von jeglicher Haftung in Verbindung mit der Verweigerung der Bluttransfusion entbinden.a

      16. Was solltest du nicht vergessen, wenn dich jemand „hinter verschlossenen Türen“ bedrängt, in eine Bluttransfusion einzuwilligen?

      16 Ärzte und Richter mögen versuchen, dich zu überreden, in eine Bluttransfusion einzuwilligen, weil sie Angehörige anderer Religionen kennengelernt haben, die eine bestimmte medizinische Maßnahme abgelehnt, ihr aber dann „hinter verschlossenen Türen“ zugestimmt haben. Manchmal haben Krankenhausangestellte sogar behauptet, einen Zeugen zu kennen, der einer geheimen Bluttransfusion zugestimmt habe. Falls das vorgekommen ist, mag es sich um jemand gehandelt haben, der mit Jehovas Zeugen nur bekannt war. Ergebene Diener Gottes wissen sehr gut, daß ein solcher Kompromiß Jehova nicht entgehen würde. Denke an Davids Sünde in Verbindung mit Bathseba und Uria. Jehova sah alles und sandte Nathan zu ihm mit der Botschaft: „Während du selbst im geheimen gehandelt hast, werde ich für meinen Teil diese Sache vor ganz Israel und vor der Sonne tun.“ Wie Gott gesagt hatte, bekam David später die traurigen Folgen seiner „geheimen“ Sünde zu spüren (2. Samuel 11:27 bis 12:12; 16:21).

      17. (a) Wieso könnte die geheime Bewilligung einer Bluttransfusion andere in Schwierigkeiten bringen? (b) Beschreibe, wie standhaft eine Schwester sogar „hinter verschlossenen Türen“ in der Blutfrage blieb und wie der Fall ausging.

      17 Auch die Liebe zu deinen christlichen Brüdern sollte dir helfen, einer geheimen Übertretung des göttlichen Gesetzes über das Blut zu widerstehen. Warum? Nun, wenn ein Arzt oder ein Richter versuchen würde, dich zur Bewilligung einer Bluttransfusion zu überreden, selbst wenn sie im geheimen vorgenommen würde, solltest du daran denken, daß es der nächste Zeuge dann um so schwerer hätte. Beachte folgende Erfahrung:

      Schwester Rodriguez wurde wegen einer Infektion behandelt. Dann wurde sie sehr krank; ihr Arzt stellte innere Blutungen fest und wies sie an, schnellstens in ein großes Krankenhaus zu gehen. Schwester Rodriguez sagte dem Personal in der Notaufnahme: „Ich will keine Bluttransfusion haben, ganz gleich, was passiert.“ Dabei blieb sie auch, als sie später von Krankenschwestern unter Druck gesetzt wurde, die behaupteten, manche Zeugen hätten Blut genommen. Diese Schwester verlor tagelang Blut und wurde immer schwächer, bis man sie schließlich auf die Intensivstation brachte. Dann ließ das Krankenhaus einen Richter vom Obersten Gericht des Bundesstaates kommen.

      Einige Monate später sprach dieser Richter im Hörsaal des Krankenhauses vor über 150 Ärzten über das Thema „Um wessen Leben geht es eigentlich?“ Er sagte unter anderem, er sei schon Personen begegnet, die zuerst Blut verweigert, sich aber gefügt hätten, sobald ein Richter eingeschaltet worden sei. Wie verhielt es sich jedoch mit Schwester Rodriguez? Seinen Ausführungen zufolge hatte er versucht, sie unter vier Augen davon zu überzeugen, daß sie die Verantwortung doch ihm überlassen solle, indem sie sich die Transfusion auf gerichtliche Verfügung hin geben lasse. Wie reagierte sie darauf? Der Richter erzählte den versammelten Ärzten, daß Frau Rodriguez ihm mit der ganzen Kraft, die sie aufbringen konnte, sagte, daß sie kein Blut nehmen wird und daß er sie in Ruhe lassen und den Raum verlassen soll. Folglich hatte er als Richter, so erklärte er, keinen Grund, eine Transfusion gegen ihren Willen anzuordnen.

      18. Welche Entschlossenheit in der Blutfrage sollten wir klarmachen? Was wird wahrscheinlich das Ergebnis sein?

      18 Das unterstreicht, wie wichtig es ist, unmißverständlich klarzumachen, daß unser Standpunkt zur Blutfrage unbeeinflußbar ist. Die Apostel vertraten einen solch klaren Standpunkt, indem sie erklärten: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29). Der Fall von Schwester Rodriguez zeigt auch, wie sich der Kompromiß eines Zeugen auf andere auswirken könnte. In ihrem kranken und körperlich geschwächten Zustand mußte sie einem zusätzlichen Druck standhalten, nur weil vielleicht vorher jemand insgeheim Gottes Gesetz übertreten hatte. Natürlich würde eine solche Übertretung nicht dem „Richter der ganzen Erde“ verborgen bleiben (1. Mose 18:25). Glücklicherweise war Schwester Rodriguez „hinter verschlossenen Türen“ ebenso standhaft geblieben wie in der Öffentlichkeit. Später, als sie wieder bei guter Gesundheit war, erklärte sie vor der besagten Ärzteversammlung ihre Entschlossenheit, nach wie vor Gott treu zu sein.

      19. Welcher Tatsache sollten wir uns jederzeit bewußt sein?

      19 Auch wir müssen treu sein, ob unsere Handlungen öffentlich bekannt sind oder nicht. Jehova ist über eine solche Treue erfreut und wird sie belohnen; er wird seiner Gerechtigkeit entsprechend auf die Werke — die öffentlichen wie auch die geheimen — derjenigen reagieren, die seinen Maßstäben nicht treu sind (Psalm 51:6; Hiob 34:24). In seiner Liebe gibt er uns vollkommenen Rat, der uns helfen wird, jegliche verborgenen Fehler abzulegen, und das werden wir als nächstes betrachten.

  • Laß dir von Gott helfen, geheime Fehler zu überwinden
    Der Wachtturm 1985 | 15. April
    • Laß dir von Gott helfen, geheime Fehler zu überwinden

      „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (PHILIPPER 4:13).

      1. Welche Bitte wurde von einem besorgten Vater geäußert?

      DER Junge war Epileptiker.a Er schäumte, hatte Krämpfe und fiel von Zeit zu Zeit ins Wasser oder ins Feuer. Sein besorgter Vater machte einen Mann ausfindig, der dafür bekannt war, daß er Krankheiten heilte. Als es den Anschein hatte, es mangle an Vertrauen in die Fähigkeit dieses Mannes, schrie der Vater: „Ich glaube! Hilf mir, wo ich des Glaubens bedarf!“

      2. Wieso können wir sicher sein, daß Gott uns helfen will, Fehler zu überwinden?

      2 Von diesem Vater, der Jesu Hilfe wünschte, können wir etwas lernen. Er gab zu, daß sein Glaube mangelhaft sein könnte; er war auch sicher, daß Jesus helfen wollte. Das könnte auch auf uns zutreffen, wenn wir mit unseren eigenen — vielleicht sogar geheimen — Fehlern konfrontiert werden und daran arbeiten, sie zu überwinden. Wir können darauf vertrauen, daß Jehova Gott uns helfen will, ebenso wie er in der Vergangenheit anderen geholfen hat. (Vergleiche Markus 1:40-42.) Zum Beispiel half er dem Apostel Paulus, Fehler zu vermeiden, die man begehen könnte, wenn man Überfluß hat oder Mangel leidet. Ein Armer mag sich nach Reichtum sehnen; die Schwäche eines Wohlhabenden mag darin liegen, daß er selbstgefällig auf seinen Erfolg vertraut und auf diejenigen herabblickt, die weniger haben als er (Hiob 31:24, 25, 28). Wie überwand oder vermied Paulus solche Fehler? Er sagte: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (Philipper 4:11-13).

      3. Warum handeln wir weise, wenn wir bemüht sind, unsere Schwächen zu bezwingen?

      3 Es verrät Weisheit, wenn wir, gestützt auf Gottes Kraft, daran arbeiten, unsere Fehler zu bezwingen, statt sie zu übergehen, nur weil sie gegenwärtig geheim sein mögen. Der Psalmist sagte von Jehova: „Er weiß um die Geheimnisse des Herzens“ (Psalm 44:21). Wenn wir unsere Fehler nicht überwinden, werden sie zu unserem großen Schaden einmal zutage treten. Hier trifft der Grundsatz zu: „Die Sünden einiger Menschen sind öffentlich kund und führen direkt zum Gericht, bei anderen Menschen aber werden die Sünden später ebenfalls kund“ (1. Timotheus 5:24). Wir wollen nun zwei weitverbreitete Arten von Fehlverhalten untersuchen, die die Aufmerksamkeit der Christen verdienen, da sie ja Jehova gefallen möchten.

      Ein geheimer Fehler in bezug auf das geschlechtliche Verlangen

      4, 5. (a) Welche ausgeglichene Ansicht über das geschlechtliche Verlangen vertritt die Bibel? (b) Welche Ratschläge in bezug auf das geschlechtliche Verlangen finden wir in der Schrift?

      4 Eine der vorzüglichsten Gaben Gottes ist die Ehe und in Verbindung damit die Fähigkeit und der Wille zur Fortpflanzung (1. Mose 1:28). Das geschlechtliche Verlangen, das in der Ehe zum Ausdruck gebracht wird, ist etwas Natürliches und Reines. Sich der geschlechtlichen Befriedigung mit dem eigenen Partner zu erfreuen wird in der Bibel empfohlen (Sprüche 5:15-19). Allerdings sind dem Geschlechtstrieb Schranken gesetzt. Man denke zum Vergleich an unseren Appetit auf Nahrung. Die Tatsache, daß unser Appetit immer wiederkehrt, bedeutet nicht, daß wir eine unmäßige Begierde nach Nahrung entwickeln sollten oder essen könnten, wann, wo und wie immer es uns beliebt (Sprüche 25:16, 27).

      5 Paulus war möglicherweise einmal verheiratet gewesen, und er wußte, daß eine normale sexuelle Betätigung unter Ehepartnern ihren Platz hat (1. Korinther 7:1-5). Folglich bezog er sich auf etwas anderes, als er schrieb: „Ertötet daher die Glieder eures Leibes, die auf der Erde sind, in bezug auf Hurerei, Unreinheit, sexuelle Gelüste, schädliche Begierde und Habsucht“ (Kolosser 3:5). Er muß damit sexuelle Betätigungen gemeint haben, die die angebrachten Grenzen und Mittel der Ehe überschreiten. Der Apostel sagte auch: „Jeder von euch wisse, wie er von seinem eigenen Gefäß in Heiligung und Ehre Besitz ergreife, nicht in gierigen sexuellen Gelüsten“ (1. Thessalonicher 4:4, 5). Dieser offene, inspirierte Rat ist sowohl für verheiratete als auch für ledige Christen nützlich.

      6. Warum ist es angebracht, daß Christen die Selbstbefleckung meiden?

      6 Häufig kommt jemandes „gierige Lust“ (Luther-Bibel) dadurch zum Ausdruck, daß er oder sie die eigenen Geschlechtsorgane reizt, um die damit verbundenen Lustgefühle zu erleben. Das wird als Masturbation oder Selbstbefleckung bezeichnet. Sie ist unter ledigen Männern und Frauen weit verbreitet. Allerdings wird sie auch von manch einem Verheirateten praktiziert. Da die Masturbation so weit verbreitet ist, behaupten viele Ärzte, sie sei normal und sogar nützlich. Aber sie läuft Gottes Warnung vor „gierigen sexuellen Gelüsten“ zuwider. Warum dem so ist und warum Christen diese Gewohnheit überwinden sollten, können wir besser verstehen, wenn wir einige Ratschläge Jesu betrachten.

      7. Welcher Gedanke aus Matthäus 5:28 ist ein zusätzlicher Grund, die Masturbation zu meiden?

      7 Jesus sagte, daß „jeder, der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen hat“ (Matthäus 5:28). Er wußte, daß leidenschaftliche Gedanken an Ehebruch häufig die Vorläufer unsittlicher Handlungen sind. Sogar diejenigen, die die Masturbation entschuldigen, geben zu, daß gewöhnlich sexuelle Phantasien damit verbunden sind. In dem Buch Talking With Your Teenager (Gespräche mit deinem Teenager) ist davon die Rede, daß es Jugendlichen „um die Lustgefühle geht, die die Masturbation mit sich bringen kann“. Es heißt weiter: „Sie malen sich womöglich wilde sexuelle Erlebnisse oder Begegnungen mit Partnern vom gleichen Geschlecht oder mit älteren Personen wie Lehrern, Verwandten oder gar mit ihren Eltern aus. Sie mögen sich in Phantasien über sexuelle Gewalttätigkeit ergehen. All das ist absolut normal.“ Ist es das wirklich? Wie könnten Christen solche Phantasien und die Masturbation als „normal“ betrachten angesichts der Warnung Jesu vor ‘Ehebruch im Herzen’ und angesichts der Warnung des Paulus vor „gierigen sexuellen Gelüsten“? Nein, solche Phantasien und die Selbstbefleckung — ob es sich um einen Jugendlichen oder einen Erwachsenen, einen Ledigen oder einen Verheirateten handelt — müssen überwunden werden.

      Diesen geheimen Fehler überwinden

      8, 9. Worüber muß sich jemand im klaren sein, um mit der Gewohnheit der Masturbation brechen zu können?

      8 Was könnte ein Christ, der diese geheime Schwäche hat, tun, um sie zu bezwingen, damit er „von seinem eigenen Gefäß in Heiligung und Ehre Besitz ergreife“? (1. Thessalonicher 4:4). Gott bietet uns eine wertvolle Hilfe durch sein Wort.

      9 Zuerst ist es wichtig, zu erkennen, daß Jehova Maßstäbe hat. Wie er unmißverständlich erklärt, ist außerehelicher Sex, sowohl Hurerei als auch Ehebruch, verkehrt (Hebräer 13:4). Wenn wir also glauben, daß seine Wege die besten sind, werden wir darauf bedacht sein, sexuelle Befriedigung nur innerhalb der Ehe zu suchen (Psalm 25:4, 5). In dem Buch Adolescence (Heranwachsende) von E. Atwater wird erklärt, man stoße bei Jugendlichen in bezug auf das Thema Masturbation im allgemeinen auf „Verschwiegenheit, Scham und Zweifel“. Ein Grund besteht darin, daß „bei der Masturbation die Vertrautheit eines Liebesverhältnisses fehlt, das mit dem Geschlechtsverkehr verbunden ist“. Ja, es ist von Nutzen, das sexuelle Verlangen unter Kontrolle zu halten, bis es durch liebevolle eheliche Beziehungen zum Ausdruck gebracht werden kann.

      10. Welche Maßnahmen kann jemand ergreifen, um es sich zu erleichtern, diese Gewohnheit zu überwinden?

      10 Eine weitere Hilfe ist folgender Rat aus Gottes Wort: „Was irgend wahr, was irgend von ernsthaftem Interesse, was irgend gerecht, was irgend keusch ... ist, worüber irgend man wohlredet, wenn es irgendeine Tugend ... gibt, diese Dinge erwägt weiterhin“ (Philipper 4:8). Zweifellos sind erotische Bilder und unsittliche Romane nichts, was ‘keusch oder tugendhaft ist oder worüber man wohlredet’. Doch gerade mit diesen Dingen ernähren häufig diejenigen ihren Sinn, die Masturbation treiben. Wer entschlossen ist, diesen Fehler zu überwinden, muß daher solches erotische Material absolut meiden. Die Erfahrung hat folgendes gezeigt: Sobald sich bei jemandem ein erotisches Verlangen regt, das bereits bei früheren Gelegenheiten zur Masturbation geführt hat, kann er es verdrängen, indem er sich entschieden auf das konzentriert, was gerecht und keusch ist. Das ist besonders dann wichtig, wenn jemand allein ist oder sich im Dunkeln aufhält, weil in solchen Situationen der geheime Fehler der Selbstbefleckung am häufigsten vorkommtb (Römer 13:12-14).

      11. Beschreibe, welche weiteren Maßnahmen sich im Kampf gegen diesen Fehler als nützlich erwiesen haben.

      11 Eine ähnliche Hilfe ist es, aktiv zu bleiben im Sinne der folgenden Ermahnung: „Wacht denn streng darüber, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, indem ihr die gelegene Zeit für euch auskauft, weil die Tage böse sind“ (Epheser 5:15, 16). Frage eine reife christliche Vertrauensperson, welche positiven Dinge du tun könntest (Jesaja 32:2). Viele, die diesen Fehler überwunden haben, geben zu, daß das Bewußtsein, von einem besorgten Christen über ihren Fortschritt befragt zu werden, ihnen geholfen hat, Selbstbeherrschung zu entwickeln. Die Vertrauensperson, die uns am nächsten steht, sollte natürlich Jehova sein. Daher ist es wichtig, sich im Gebet an ihn zu wenden, um seine Hilfe zu erbitten (Philipper 4:6, 7). Falls jemand, der diesen Fehler eine Zeitlang bekämpft hat, „straucheln“ sollte, kann er Gott um Kraft bitten, dann sollte er erneut Anstrengungen machen, und wahrscheinlich wird er wieder einen Sieg erringen, vielleicht sogar für eine noch längere Zeitdauer (Hebräer 12:12, 13; Psalm 103:13, 14).

      Gegen den Alkoholmißbrauch ankämpfen

      12. Was ist die christliche Ansicht über alkoholische Getränke?

      12 ‘Der Wein erfreut Gott und Menschen’, heißt es in einem Bibelvers (Richter 9:13). Du magst dem zustimmen, denn alkoholische Getränke erleichtern die Entspannung und dienen vielen zur Freude (Psalm 104:15). Kaum einer würde jedoch leugnen, daß der Alkoholgenuß sowohl physische als auch moralische Gefahren heraufbeschwören kann. Ein großes Problem ist die Trunkenheit als solche. Dieser Fehler ist so schwerwiegend, daß Gott warnend sagt, Trunkenbolde würden aus der Versammlung ausgeschlossen und würden nicht ins Königreich gelangen (1. Korinther 5:11-13; Galater 5:19-21). Christen sind sich dessen bewußt und wissen, daß sie es vermeiden müssen, sich zu betrinken. Doch wie kann der Alkoholgenuß — abgesehen von der Gefahr der Trunkenheit — zu einem geheimen Fehler werden?

      13. Schildere, wie eine Alkoholabhängigkeit entstehen kann.

      13 Selbst wenn ein Christ nur mäßig trinkt, kann er einen schwerwiegenden Fehler begehen. Betrachte die Erfahrung eines Mannes, den wir Heinz nennen wollen.

      Er, seine Frau und seine Kinder wurden wahre Christen und entwickelten in der Ortsversammlung großen Eifer. Nach einiger Zeit wurde Heinz zum Ältesten ernannt und galt in den Versammlungen der Stadt als eine ‘Säule’ (Galater 2:9). Verständlicherweise brachten die Kindererziehung und die Sorge um die Herde Belastungen mit sich (2. Korinther 11:28). Der Streß am Arbeitsplatz nahm zu, weil die Firma, in der er arbeitete, größer wurde und weil sein Chef wünschte, daß er sich zahlreicher Probleme und Entscheidungen annahm.

      Abends war Heinz oft sehr angespannt. Er stellte fest, daß ein oder zwei Drinks ihm halfen, sich zu entspannen. Als reifer Christ trank er natürlich nicht zuviel und hütete sich davor, betrunken zu werden. Obwohl er abends einige Drinks nahm, um sich zu entspannen, brauchte er tagsüber keinen Alkohol und trank auch in der Regel nicht bei den Mahlzeiten. Er stand nicht in dem Ruf, „vielem Wein ergeben“ zu sein (1. Timotheus 3:8).

      Heinz kam überraschend ins Krankenhaus, um sich einer üblichen Operation zu unterziehen. Aber es traten einige ungewöhnliche Symptome auf. Was war die Ursache? Es dauerte nicht lange, und die Ärzte stellten fest, daß Heinz unter Entziehungserscheinungen litt. Ja, sein Körper war vom Alkohol abhängig geworden. Das kam für die Angehörigen ganz überraschend, aber sie hielten zu ihm und bestärkten ihn in seinem Entschluß, den Alkohol völlig zu meiden.

      14. Was könnte dazu führen, daß alkoholische Getränke jemand zum Gespött machen?

      14 Manche spüren, daß der Alkohol in ihrem Leben eine ungewöhnliche Rolle eingenommen hat, und versuchen daher, ihre Trinkgewohnheiten zu verheimlichen, weil sie nicht wollen, daß ihre Angehörigen und Freunde merken, wieviel oder wie oft sie trinken. Andere dagegen spüren nicht, daß sie vom Alkohol abhängig sind, und doch ist das Trinken zu einem Höhepunkt ihres Tagesablaufes geworden. Die Vertreter beider Kategorien laufen Gefahr, einmal zuviel zu trinken oder geheime Alkoholiker zu werden. Denke an den Spruch: „Der Wein ist ein Spötter, berauschendes Getränk ist ungestüm, und jeder, der davon irregeht, ist nicht weise“ (Sprüche 20:1). Das bedeutet, daß jemand, der zuviel trinkt, zu einem ungestümen Verhalten neigt und sich zum Gespött macht. Aber der Wein kann jemand noch in anderer Hinsicht zum Gespött machen. Spott verdient nämlich derjenige, der denkt, seine Trinkgewohnheiten seien vor Gott verborgen.

      15. Inwiefern sind die Worte des Paulus aus 1. Korinther 9:24-27 für den Alkoholgenuß eines Christen maßgebend?

      15 Zur Frucht des Geistes Gottes gehört Selbstbeherrschung, und diese Eigenschaft brauchen wir in allen Lebenslagen (Galater 5:22, 23). Paulus verglich den Christen mit einem Wettläufer. Bei einem buchstäblichen Wettlauf übt der Läufer „in allen Dingen Selbstbeherrschung“, nur um „eine vergängliche Krone zu erhalten“. Auch der Christ muß „in allen Dingen“ Selbstbeherrschung üben, und zwar um einen Preis von weitaus höherem Wert zu erhalten — LEBEN. Paulus hob hervor, daß wir ‘unseren Leib zum Sklaven machen’ müssen, um zu gewährleisten, daß wir, ‘nachdem wir anderen gepredigt haben, uns nicht selbst irgendwie als unbewährt erweisen’, wie zum Beispiel durch einen geheimen Fehler hinsichtlich des Alkoholgenusses (1. Korinther 9:24-27).

      16. Wie kann jemand herausfinden, ob der Alkoholgenuß bei ihm zu einer Schwäche geworden ist?

      16 Was kann einem Christen helfen, diesen Fehler zu bekämpfen? Eine Hilfe besteht darin, sich zu vergegenwärtigen, daß ein Trinker seine Gewohnheit, wenn er sie auch anderen Menschen verheimlicht, nicht vor Gott verbergen kann (1. Korinther 4:5). Daher sollte man aufrichtig — vor Gott — über seine Trinkgewohnheiten nachsinnen. (Wir meinen hier das Trinken um des Vergnügens oder um der Wirkung willen, nicht lediglich das Trinken geringer Mengen als übliches Getränk bei Mahlzeiten.) Einige mögen jedoch sagen: „Aber ich muß nicht trinken. Ich genieße es einfach; ich entspanne mich dabei. Wenn ich wollte, könnte ich ganz ohne Alkohol auskommen.“ Nun gut, warum probierst du das nicht einfach ein oder zwei Monate lang aus? Angesichts der möglichen Gefahr des übermäßigen Trinkens oder der Alkoholabhängigkeit wäre das empfehlenswert. Da die Neigung, zu leugnen, daß ein Problem besteht, so stark ist, könntest du auch folgendes beschließen: einen Monat lang völlige Enthaltsamkeit bei allen Gelegenheiten, bei denen du normalerweise Alkohol trinkst. Ein Beispiel: Wer gewöhnlich nach der Arbeit, vor dem Schlafengehen oder bei einem geselligen Beisammensein etwas trinkt, könnte nun davon Abstand nehmen. Auf diese Weise kann er feststellen, wie er empfindet. Kommt es ihn hart an oder kann er sich einfach nicht entspannen, dann liegt ein schwerwiegender Fehler vor.

      17. Warum muß ein Christ, der eine verborgene Schwäche in bezug auf den Alkoholgenuß hat, daran arbeiten, sie zu bezwingen?

      17 Sobald sich ein aufrichtiger Christ vor Gott eingesteht, daß er eine Schwäche in bezug auf den Alkoholgenuß hat, wird es ihm leichter fallen, sie zu überwinden. Vielleicht ist ihm schon bekannt, daß es, wie die Bibel sagt, ein Zeichen von „Einfalt“ ist, wenn jemand denkt, daß ‘gestohlene Wasser süß sind und heimlich genossenes Brot [oder alkoholisches Getränk] lieblich ist’. Ein solcher wird, wie es in den Sprüchen heißt, unter die „im Tode Kraftlosen“ geraten. Der Weise dagegen liebt Zurechtweisung, und glücklicherweise ‘verläßt er die Unerfahrenen und bleibt am Leben, indem er geradeaus auf dem Wege des Verständnisses wandelt’ (Sprüche 9:1, 6, 8, 13-18). Ja, Gott bietet uns eine zusätzliche Hilfe, geheime Fehler zu überwinden, indem er uns wissen läßt, welches Endergebnis wir in diesem und in jenem Fall zu erwarten haben.

      Jehova vergilt geheime Taten

      18. Worauf können wir vertrauen, während wir unsere geheimen Fehler überwinden? (Sprüche 24:12; 2. Samuel 22:25-27).

      18 Manche leben in der Angst, daß ihre schlechte Handlungsweise eines Tages von Menschen oder von Gott entdeckt wird. Bei uns sollte das nicht der Fall sein. Statt dessen wollen wir in dem Bewußtsein leben, daß wir vor dem „wahren Gott“ nichts verbergen können, denn er wird „jederlei Werk ins Gericht über alles Verborgene bringen im Hinblick darauf, ob es gut ist oder böse“ (Prediger 12:14). Wir sollten unter allen Umständen Jehovas Hilfe zur Bewältigung unserer Fehler, ja sogar verborgener Fehler annehmen. Wir können uns dann auf die Zeit freuen, in der „die verborgenen Dinge der Finsternis“ ans Licht gebracht und „die Ratschläge der Herzen“ offenbar gemacht werden. „Dann wird einem jeden sein Lob von Gott zukommen“ (1. Korinther 4:5; Römer 2:6, 7, 16).

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