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  • Liebe deckt eine Menge von Sünden zu
    Der Wachtturm 1975 | 1. September
    • Aber Jehova Gott, unser vollkommener Schöpfer, liebt sie. Er wartet nicht erst ab, bis wir nahezu vollkommen sind, ja noch nicht einmal, bis wir anfangen, unsere Persönlichkeit nach seinen Maßstäben neuzugestalten, bevor er uns liebt. Nein, sondern die Bibel sagt: „Gott aber empfiehlt seine eigene Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns starb, während wir noch Sünder waren“ (Röm. 5:8). Ja, Jehova liebte uns schon, als wir noch tief in unseren Sünden verstrickt waren und abstoßende, selbstsüchtige Neigungen hatten. Dieses Beispiel Gottes sollten wir nachahmen (Eph. 5:1, 2).

      22, 23. (a) Welchen schlechten Charakterzug ließen die Apostel Jesu in der Nähe von Kapernaum erkennen? (b) Wie machte sich dieser Charakterzug später wieder bemerkbar, und welchen Rat gab Jesus?

      22 Jesus Christus gab uns in dieser Hinsicht ebenfalls ein wunderbares Beispiel. Er scharte Jünger um sich, die im Grunde genommen gute Menschen waren. Aber sie hatten auch schlechte Charakterzüge. Zum Beispiel gerieten sie auf dem Wege nach Kapernaum in einen Wortstreit. Der Bibelbericht sagt darüber: „Sie kamen nach Kapernaum. Als er [Jesus] nun drinnen im Hause war, stellte er ihnen die Frage: ,Was habt ihr auf dem Wege erörtert?‘ Sie schwiegen, denn auf dem Wege hatten sie untereinander erörtert, wer größer sei.“ Daher stellte Jesus ein kleines Kind in ihre Mitte, schloß es in seine Arme und sagte ihnen, sie müßten genauso demütig werden wie kleine Kinder und sollten nicht nach einer prominenten Stellung streben (Mark. 9:33-37; Matth. 18:1-6).

      23 Doch nicht lange danach, als sie auf dem Wege nach Jerusalem waren, traten die Apostel Jakobus und Johannes auf Jesus zu und baten ihn um die ersten Plätze in seinem Königreich, nämlich um den Platz zu seiner Rechten und um den zu seiner Linken. Die Bibel berichtet: „Als dann die zehn anderen davon hörten, fingen sie an, über Jakobus und Johannes unwillig zu werden.“ Daher sprach Jesus noch einmal mit ihnen über diesen schlechten Charakterzug, den sie hatten. Er sagte ihnen: „Ihr wißt, daß die, die über die Nationen zu herrschen scheinen, den Herrn über sie spielen und ihre Großen über sie Gewalt ausüben. Unter euch ist dies aber nicht so, sondern wer irgend unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer irgend unter euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein“ (Mark. 10:35-45)

      24. (a) Welches Beispiel der Demut gab Jesus seinen Aposteln anläßlich des letzten gemeinsamen Passahs, doch worüber stritten sie sich bald danach? (b) Wie erwies Jesus seinen Aposteln weiterhin Liebe, und mit welchem Ergebnis?

      24 Wahrscheinlich etwas mehr als eine Woche danach kam Jesus mit seinen Jüngern zusammen, um das letzte Passahmahl mit ihnen zu essen. Er kannte das Problem, das unter ihnen bestand. Was tat Jesus daher zu Beginn dieses letzten gemeinsamen Mahles? Er nahm ein Becken, füllte es mit Wasser und ging damit von einem Apostel zum anderen und wusch jedem die Füße (Joh. 13:4-17). Welch ein vortreffliches Beispiel der Demut gab Jesus ihnen dadurch! Doch was geschah später, noch am gleichen Abend? Die Bibel berichtet uns: „Es entstand indessen auch ein hitziger Wortstreit unter ihnen darüber, wer von ihnen der Größte zu sein scheine“ (Luk. 22:24). Kannst du dir das vorstellen? Doch Jesus rang nicht verzweifelt die Hände, und er sagte nicht: „Bei euch ist Hopfen und Malz verloren! Ich gebe es auf. Ihr werdet es nie lernen, meine wahren Nachfolger zu werden.“ Nein, Jesus liebte sie trotz ihrer sündigen Neigungen. Er ermahnte sie weiterhin und gab ihnen weiteren Rat (Luk. 22:25-27). Und schließlich lernten sie es doch, denn später arbeiteten sie in Einheit zusammen, und keiner von ihnen suchte ehrgeizig Prominenz und Ansehen.

      25. (a) Welche guten Auswirkungen hat es, Sünden mit Liebe zuzudecken? (b) Warum ist es so wichtig, daß wir jetzt einander inbrünstig lieben?

      25 Liebe deckt tatsächlich „eine Menge von Sünden“ zu. Ja, wenn wir Liebe üben, indem wir versöhnlich und hilfsbereit sind und einander ermuntern, werden wir verhindern, daß Sünden bleibenden Schaden oder unlösbare Probleme verursachen. Vergiß nie, was der Apostel Petrus über die Wichtigkeit der Liebe schrieb, die man in dieser kritischen Zeit der Geschichte bekunden sollte: „Das Ende aller Dinge aber hat sich genaht. Seid daher gesunden Sinnes, und seid wachsam im Hinblick auf Gebete. Habt vor allem inbrünstige Liebe zueinander, denn Liebe deckt eine Menge von Sünden zu.“ Wir müssen jetzt inbrünstige Liebe bekunden. Nur dann werden wir in Gottes gerechtes neues System hinüberleben können (1. Petr. 4:7, 8).

  • Fragen von Lesern
    Der Wachtturm 1975 | 1. September
    • Fragen von Lesern

      ● Würde ein Christ, der aufgrund seines Bestrebens, in Übereinstimmung mit der Bibel zu handeln, verhaftet und von der weltlichen Obrigkeit zu einer Geldstrafe verurteilt wird, einen Kompromiß eingehen, wenn er die Strafe bezahlte? Würde es an der Sache etwas ändern, wenn er zwischen einer Geldstrafe und einer Gefängnisstrafe wählen könnte?

      Jesus Christus sagte voraus, daß seine Nachfolger ‘örtlichen Gerichten ausgeliefert’ und ‘um seinetwillen vor Statthalter und Könige gestellt würden, ihnen zu einem Zeugnis’ (Mark. 13:9). Ein solches Vorgehen der Obrigkeit mag darauf zurückzuführen sein, daß Christen die gute Botschaft vom Königreich predigen oder irgend etwas anderes tun, was ihnen ihr christliches Gewissen vorschreibt. (Vergleiche Apostelgeschichte 4:1-3, 18-21; 5:27-40; 1. Petrus 4:15, 16.) Ein Gericht mag gegen sie entscheiden und von ihnen verlangen, eine Geldstrafe zu zahlen. Das Urteil mag entweder nur auf Geldstrafe lauten oder auch die Wahl einer Haftstrafe freistellen oder sowohl aus einer Gefängnisstrafe als einer Geldstrafe bestehen.

      In der Vergangenheit haben es Jehovas Zeugen im allgemeinen abgelehnt, eine Geldstrafe zu zahlen, wenn es um ihre Predigttätigkeit ging. Man war der Ansicht, das Bezahlen der Geldstrafe könne als Eingeständnis, tatsächlich ein Unrecht begangen zu haben, betrachtet werden. Man glaubte auch, der „Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ sei besser gedient, wenn man es ablehne, die Geldstrafe zu zahlen, und statt dessen eine Gefängnisstrafe verbüße (Phil. 1:7). Dadurch wurde in vielen Fällen sehr viel Gutes bewirkt, und die Behörden waren von unserer Standhaftigkeit und Entschlossenheit, Gott zu dienen, beeindruckt. Ganz offensichtlich fand dieses Verhalten den Segen Jehovas. In einigen Fällen mag dies zufolge der herrschenden Umstände auch heute noch als ein vernünftiger Weg angesehen werden. Uns interessiert hier jedoch vor allem die Frage, ob das Bezahlen einer Geldstrafe mit der Bibel im Einklang ist oder nicht.

      In der Bibel werden Geldbußen (englisch: fine, was auch Geldstrafe bedeutet) erwähnt; sie waren unter dem Gesetzesbund eine übliche Strafform (5. Mose 22:19; vergleiche 2. Mose 21:29-32; Sprüche 19:19; 21:11). Aus Esra 7:26 geht hervor, daß die persischen Beamten eine „Geldbuße“ unter andere Formen der Bestrafung wie Gefängnis, Verbannung und Tod mit einreihten. Heute verhält es sich so, wie es in dem Werk World Book Encyclopedia von 1973 heißt: „Eine Geldstrafe [fine] ist meistens die Strafe für ein minderes Delikt (eine geringfügigere Übertretung).“ (In der neuen Fassung des deutschen Strafgesetzes vom 1. Januar 1975 ist der Begriff „Geldbuße“ nicht mehr enthalten.)

      Eine Geldstrafe (fine) sollte demnach nicht so betrachtet werden, als ob sich der Angeklagte aus dem Gefängnis „freikaufen“ möchte. Sie gleicht nicht einem Bestechungsgeld, wie es z. B. der Statthalter Felix von dem Apostel Paulus zu erhalten hoffte und das Paulus nicht zahlte (Apg. 24:26, 27). Demnach kann ein Christ zu Recht eine ihm auferlegte Geldstrafe als eine Form der Strafe ansehen, und sein Gewissen mag es ihm gestatten, die Geldstrafe als Ausdruck seiner Unterwürfigkeit unter die obrigkeitlichen Gewalten dieser Welt zu zahlen, obgleich er davon überzeugt sein mag, kein Unrecht verübt, sondern im Einklang mit Gottes Wort gehandelt zu haben (Röm. 13:1, 2; 1. Petr. 2:13, 14). Es stimmt natürlich, daß bei

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