Der Apostel Johannes schrieb: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht vertritt, dann nehmt ihn weder in euer Haus auf noch grüßt ihn. Denn wer ihn grüßt, ist an seinen schlechten Taten mitschuldig“ (2. Joh. 10, 11).
Waren die Worte „noch grüßt ihn“ eine Erweiterung der Anweisung von Paulus, „keinen Umgang mehr“ mit jemandem zu haben, der aus der Versammlung entfernt worden ist? (1. Kor. 5:11). Sprachen Johannes und Paulus von der gleichen Art Sünde? Offensichtlich nicht.
Die beiden Apostel bezogen sich auf unterschiedliche Umstände. Paulus berichtete über einen Mann, der sexuelle Unmoral beging. Ungefähr 43 Jahre später schrieb Johannes über Abtrünnige und andere, die aktiv falsche Lehren und verkehrtes Verhalten förderten. Einige von ihnen behaupteten zum Beispiel, Jesus wäre nicht der Christus (1. Joh. 2:22; 4:2, 3).
Als Johannes seine Briefe schrieb, war die Abtrünnigkeit sehr verbreitet. Er wusste zwar, dass er sie nicht verhindern konnte, kam aber seiner Verantwortung nach, als Apostel „hemmend“ zu wirken und die Abtrünnigkeit so lange wie möglich aufzuhalten (2. Thes. 2:7).
Johannes warnte seine Brüder und Schwestern deshalb davor, sich von solchen Betrügern und falschen Lehrern täuschen zu lassen. Sie sollten so jemanden niemals in ihr Haus lassen und nicht einmal grüßen. Eine Begrüßung würde demjenigen die Gelegenheit bieten, seine verdrehten Ansichten weiterzugeben. Etwas Ähnliches kann passieren, wenn man abtrünniges Gedankengut in einem Blog oder in den sozialen Medien kommentiert. Würde man einem Abtrünnigen durch einen Gruß den Eindruck geben, willkommen zu sein, würde man sich „an seinen schlechten Taten mitschuldig“ machen.
Paulus dagegen schrieb in 1. Korinther, Kapitel 5 über einen Mann, der wegen sexueller Unmoral aus der Versammlung entfernt worden war. Doch dieser Mann war offensichtlich kein Abtrünniger und animierte andere auch nicht aktiv dazu, Gottes Maßstäbe zu verletzen. (Vergleiche Offenbarung 2:20.) Deshalb wies Paulus die Brüder und Schwestern zwar an, keinen Umgang mehr mit ihm zu haben und nicht einmal mit ihm zu essen, aber er sagte nicht, dass man ihn nicht kurz grüßen darf.