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  • Ein vergessenes Weltreich, das Bibelkritiker in Verlegenheit brachte
    Der Wachtturm 1993 | 1. Juni
    • In der Zwischenzeit fing ein weiterer Archäologe namens Austen Henry Layard an, in Nimrud, einem ungefähr 40 Kilometer südwestlich von Chorsabad gelegenen Ort, Ausgrabungen zu machen. Bei den Ruinen handelte es sich um Kalach — eine der vier assyrischen Städte, die in 1. Mose 10:11 erwähnt werden. 1849 schließlich förderte Layard in Kujundschik, einem Ort, der zwischen Kalach und Chorsabad liegt, die Ruinen eines riesigen Palastes zutage. Es stellte sich heraus, daß dieser Palast zu Ninive gehörte. Zwischen Chorsabad und Kalach liegen noch die Ruinen anderer Ansiedlungen, beispielsweise der Hügel Karamless. „Es ist gewiß merkwürdig, daß die drei Tagereisen des Jonas genau den 60 Meilen des Geographen entsprechen, und daß ein Viereck, von den großen Ruinen des östlichen Ufers des Tigris gebildet, Nimrud [Kalach], Kujjundschik [Ninive], Khorsabad, Karamless, als die vier Ecken genommen, ziemlich dasselbe Resultat geben würde“, bemerkte Layard.

      Offensichtlich zählte Jona all diese Ansiedlungen zu der einen ‘großen Stadt’ und benannte sie mit dem Namen der Stadt, die in 1. Mose 10:11 als erste erwähnt wird, nämlich Ninive. Ähnlich geht man heutzutage vor. Zum Beispiel unterscheidet man zwischen dem eigentlichen Stadtkern und den Vororten Londons; dennoch wird das ganze Gebiet mitunter als „Groß-London“ bezeichnet.

      Ein arroganter assyrischer König

      Der Palast in Ninive bestand aus über 70 Zimmern, und seine Mauern waren nahezu 3 Kilometer lang. An diesen Mauern befanden sich Überreste von Skulpturen zum Gedenken an militärische Siege und andere Leistungen. Die meisten Skulpturen waren durch Feuer stark beschädigt. Gegen Ende seines Aufenthalts entdeckte Layard jedoch einen bemerkenswert gut erhaltenen Raum. An den Wänden war dargestellt, wie eine stark befestigte Stadt eingenommen wurde und Gefangene dem auf einem Thron außerhalb der Stadt sitzenden König der Invasionstruppen vorgeführt wurden. Über der Abbildung des Königs stand eine Inschrift, die Experten für Altorientalistik wie folgt übersetzen: „Sanherib, König der Welt, König von Assyrien, setzte sich auf einen Lehnsessel, und die Beute von Lachis zog vor ihm vorbei.“

      Heute ist die Darstellung samt Inschrift im Britischen Museum zu besichtigen. Sie bestätigt das in der Bibel in 2. Könige 18:13, 14 aufgezeichnete geschichtliche Ereignis: „Im vierzehnten Jahr des Königs Hiskia kam Sanherib, der König von Assyrien, gegen all die befestigten Städte von Juda herauf und nahm sie dann ein. Da sandte Hiskia, der König von Juda, zum König von Assyrien nach Lachisch und ließ sagen: ‚Ich habe gesündigt. Kehre um von mir. Was immer du mir auferlegen magst, werde ich tragen.‘ Dementsprechend legte der König von Assyrien Hiskia, dem König von Juda, dreihundert Talente Silber und dreißig Talente Gold auf.“

      In den Ruinen Ninives wurden weitere Inschriften gefunden, die zusätzliche Informationen über den Einmarsch Sanheribs in Juda und den von Hiskia gezahlten Tribut vermitteln. „Was das wichtigste ist, und vielleicht eine der merkwürdigsten Zusammenstimmungen historischer Zeugnisse oder Acten, die Summe des Schatzes in Gold, welcher dem König Hezekiah weggenommen wurde, dreissig Talente, wird in beiden vollständig von einander unabhängigen Berichten gleich angegeben“, schrieb Layard. Sir Henry Rawlinson, der dazu beitrug, die assyrische Schrift zu entziffern, erklärte, daß diese Inschriften „allen Streit über dessen [Sanheribs] historische Identität höben“. Des weiteren fragte Layard in dem Buch Nineveh and Babylon: „Wer hätte es vor diesen Entdeckungen für wahrscheinlich oder möglich gehalten, unter dem Erd- und Schutthaufen an der Stelle Ninives die Geschichte des Krieges zwischen Hezekiah und Sennacherib zu finden, die — niedergeschrieben zu ebenjener Zeit, da Sennacherib ihn führte — den Bibelbericht sogar bis in alle Einzelheit bestätigt?“

      Natürlich stimmen einige Details aus Sanheribs Bericht nicht mit der Bibel überein. So bemerkt der Archäologe Alan Millard zum Beispiel: „Die überraschendste Tatsache kommt am Schluß [von Sanheribs Bericht]. Hiskia schickte seine Boten und den gesamten Tribut an Sanherib ‚später, nach Ninive‘. Das heißt also: Die assyrische Armee konnte diese Abgaben nicht wie üblich im Triumphzug nach Hause führen.“ Die Bibel sagt, daß der Tribut dem König von Assyrien gezahlt wurde, bevor er nach Ninive zurückkehrte (2. Könige 18:15-17). Warum der Unterschied? Und warum konnte Sanherib sich des Sieges über die Hauptstadt Judas, Jerusalem, nicht ebenso rühmen wie des Sieges über die judäische Festung Lachisch? Drei Bibelschreiber liefern die Antwort. Einer von ihnen, ein Augenzeuge, schrieb: „Der Engel Jehovas zog dann aus und schlug im Lager der Assyrer hundertfünfundachtzigtausend nieder. Als man früh am Morgen aufstand, nun, da waren sie alle tot, Leichname. Daher zog Sanherib, der König von Assyrien, weg und ging und kehrte zurück und nahm Wohnsitz in Ninive“ (Jesaja 37:36, 37; 2. Könige 19:35; 2. Chronika 32:21).

      In dem Buch Schätze aus biblischer Zeit zieht Millard folgendes Fazit: „Es gibt keinen Grund dafür, an diesem Bericht über eine Katastrophe zu zweifeln ... Daß Sanherib einen solchen Fehlschlag nicht berichtete, ist nur zu verständlich.“ Statt dessen versuchte Sanherib den Eindruck zu erwecken, sein Einmarsch in Juda sei ein Erfolg gewesen und Hiskia habe ihm den Tribut nach Ninive gesandt und sich ihm somit weiterhin unterworfen.

      Ursprung Assyriens bestätigt

      In Ninive wurden außerdem Bibliotheken mit Zehntausenden von Tontafeln entdeckt. Diese Dokumente beweisen, daß die Wurzeln des assyrischen Weltreichs im Süden, in Babylon, lagen, wie in 1. Mose 10:11 gezeigt wird. Aufgrund dieser Anhaltspunkte konzentrierten sich Archäologen nun mehr auf den Süden. In der Encyclopædia Biblica heißt es: „Der babylonische Ursprung der Assyrer zeigt sich in allem, was sie hinterlassen haben. Ohne allzu große Veränderungen haben sie Sprache, Schreibweise, Literatur, Religion und Wissenschaft ihrer südlichen Nachbarn übernommen.“

  • Ein vergessenes Weltreich, das Bibelkritiker in Verlegenheit brachte
    Der Wachtturm 1993 | 1. Juni
    • Des weiteren heißt es in der Bibel: „Von jenem Land zog er nach Assyrien aus und machte sich daran, Ninive zu bauen und Rehoboth-Ir und Kalach und Resen zwischen Ninive und Kalach: das ist die große Stadt“ (1. Mose 10:8-

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