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Gottes Königreich regiert!
kr Kap. 9 S. 87-97

KAPITEL 9

Die Ergebnisse: „Die Felder“ sind „weiß . . . zur Ernte“

FOKUS DES KAPITELS

Jehova hat den Samen der Wahrheit vom Königreich aufgehen lassen

1, 2. (a) Warum standen Jesu Jünger vor einem Rätsel? (b) Was für eine Ernte erwähnte Jesus?

DIE Jünger stehen vor einem Rätsel. Jesus hat gerade zu ihnen gesagt: „Erhebt eure Augen, und schaut die Felder an, dass sie weiß sind zur Ernte.“ Sie blicken in die Richtung, in die Jesus deutet, sehen aber nirgends weiße Felder, nur grüne — die Farbe der unreifen Gerste. „Was für eine Ernte?“, fragen sie sich wahrscheinlich, denn es sind noch Monate bis dahin (Joh. 4:35).

2 Jesus sprach jedoch nicht von einer Getreideernte. Er wollte seinen Jüngern zwei wichtige Merkmale einer geistigen Ernte klarmachen, bei der Menschen eingesammelt werden. Um welche Merkmale geht es? Das erfahren wir, wenn wir uns den Bericht etwas näher ansehen.

Aufruf zur Tat und Aussicht auf Freude

3. (a) Was veranlasste Jesus möglicherweise zu der Aussage, dass die Felder „weiß sind zur Ernte“? (Siehe Fußnote.) (b) Wie erläuterte Jesus seine Worte?

3 Jesu Gespräch mit seinen Jüngern ergab sich Ende des Jahres 30 u. Z. in der Nähe der samaritischen Stadt Sychar. Während die Jünger in die Stadt gingen, blieb Jesus bei einem Brunnen und sprach mit einer Frau über tiefe Gedanken. Sie verstand schnell, wie bedeutsam seine Lehren waren. Als die Jünger zurückkamen, eilte die Frau nach Sychar, um ihren Nachbarn die sensationellen Neuigkeiten zu erzählen. Ihre Worte stießen auf großes Interesse, und viele Samariter liefen zu dem Brunnen, um Jesus kennenzulernen. Als Jesus seinen Blick über die Felder hinaus in die Ferne schweifen ließ, sah er eine Menschenmenge kommen. Vielleicht war das der Moment, in dem er sagte: „Schaut die Felder an, dass sie weiß sind zur Ernte.“a Seine anschließenden Worte „Der Schnitter . . . sammelt Frucht zum ewigen Leben“ verdeutlichen, dass er nicht von einer buchstäblichen, sondern von einer geistigen Ernte sprach (Joh. 4:5-30, 36).

4. (a) Auf welche zwei Merkmale der Ernte wies Jesus hin? (b) Welche Fragen werden wir untersuchen?

4 Welche zwei wichtigen Merkmale dieser Ernte stellte Jesus heraus? Erstens: Die Arbeit ist dringend. Seine Aussage, dass die Felder „weiß sind zur Ernte“, war für seine Nachfolger ein Aufruf zur Tat. Wie dringlich das Werk war, betonte er mit den Worten: „Schon empfängt der Schnitter Lohn.“ Ja, die Ernte hatte schon begonnen — man durfte keine Zeit verlieren. Zweitens: Die Arbeiter freuen sich. Nach Jesu Worten würden sich Sämann und Schnitter „zusammen freuen“ (Joh. 4:35b, 36). Ähnlich wie sich Jesus gefreut haben muss, als er sah, dass „viele der Samariter“ an ihn glaubten, würden auch seine Jünger tiefe Freude bei ihrem vollen Einsatz in der Ernte empfinden (Joh. 4:39-42). Dieser Bericht aus dem 1. Jahrhundert hat uns viel zu sagen, denn er veranschaulicht, was heute bei der größten Ernte aller Zeiten vor sich geht. Wann begann die Ernte in neuerer Zeit? Wer macht dabei mit? Wie sehen die Ergebnisse aus?

Unser König geht bei der größten Ernte aller Zeiten führend voran

5. Wer geht bei der weltweiten Ernte führend voran, und wie zeigt die Vision von Johannes, dass die Arbeit dringend ist?

5 In einer Vision zeigte Jehova dem Apostel Johannes, wie er Jesus damit beauftragt, bei einer weltweiten Einsammlung von Menschen führend voranzugehen. (Lies Offenbarung 14:14-16.) In dieser Vision trägt Jesus eine „goldene Krone“ und hat eine „scharfe Sichel“ in der Hand. Die Krone unterstreicht seine Stellung als regierender König. Und die Sichel steht für seine Rolle beim Ernten. Durch die Worte des Engels: „Die Ernte der Erde ist ausgereift“, betont Jehova, wie dringend die Arbeit ist. „Weil die Stunde zum Ernten gekommen ist“, darf man keine Zeit verlieren. Auf Gottes Befehl: „Schick deine Sichel hinein“, legt Jesus sie an, und die Erde wird abgeerntet, das heißt, Menschen werden eingesammelt. Diese spannende Vision erinnert uns daran, dass die Felder auch heute „weiß sind zur Ernte“. Können wir durch diese Vision ermitteln, wann die weltweite Ernte begann?

6. (a) Wann begann die „Erntezeit“? (b) Erkläre, wann die eigentliche „Ernte der Erde“ anfing.

6 Gemäß Offenbarung 14 trägt Jesus bereits eine Krone, als er zum Ernten aufgefordert wird (Vers 14). Somit ist seine Einsetzung als König schon vorbei (Dan. 7:13, 14). Der Ernteaufruf kam also irgendwann nach 1914 (Vers 15). Dieselbe Abfolge begegnet uns im Gleichnis über die Weizenernte, wo Jesus sagt: „Die Ernte ist ein Abschluss eines Systems der Dinge.“ Die Erntezeit und der Abschluss des heutigen Systems fallen demnach zusammen: Sie begannen 1914. „Zur Erntezeit“, das heißt während dieses Zeitabschnitts, setzte die eigentliche Weizenernte ein (Mat. 13:30, 39). Von unserer heutigen Warte aus erkennen wir, dass sie einige Jahre nach Jesu Regierungsantritt anfing. Zunächst läuterte Jesus von 1914 bis in die erste Jahreshälfte von 1919 seine gesalbten Nachfolger (Mal. 3:1-3; 1. Pet. 4:17). Darauf startete 1919 „die Ernte der Erde“. Durch den neu eingesetzten treuen Sklaven gab Jesus unverzüglich zu verstehen, wie dringend das Predigtwerk war. Was geschah daraufhin?

7. (a) Wie erkannte man, dass das Predigtwerk dringend ist? (b) Wozu wurden die Brüder angespornt?

7 Im September 1920 schrieb Der Wacht-Turm: „Nach der Heiligen Schrift hat die Versammlung offenbar das große Vorrecht, die Botschaft vom Königreich zu überbringen.“ Durch die prophetischen Worte Jesajas beispielsweise erkannte man, dass die Botschaft vom Königreich weltweit verkündigt werden musste (Jes. 49:6; 52:7; 61:1-3). Wie das zu schaffen sein sollte, wusste man nicht, aber man war sich sicher, Jehova würde den Weg öffnen. (Lies Jesaja 59:1.) Das geschärfte Bewusstsein für die Dringlichkeit des Predigtwerks spornte die Brüder an, ihren Einsatz zu steigern. Wie zeigte sich das?

8. Welche zwei Merkmale des Predigtwerks erfasste man 1921/22?

8 Im März 1922 gab Der Wacht-Turm bekannt: „Es war bisher das beste Jahr; noch nie haben so viele Menschen die Botschaft der Wahrheit gehört wie 1921.“ Weiter hieß es: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns. . . . lasst sie uns mit einem freudigen Herzen tun.“ Offensichtlich hatten die Brüder die zwei Merkmale des Predigtwerks erfasst, die Jesus seinen Aposteln vor Augen geführt hatte: Die Arbeit ist dringend, und die Arbeiter sind mit Freude dabei.

9. (a) Was schrieb Der Wachtturm 1955 über die Ernte, und warum? (b) Wie hat die Zahl der Verkündiger in den vergangenen 50 Jahren zugenommen? (Siehe die Grafik „Weltweites Wachstum“.)

9 Als man in den 30er-Jahren verstand, dass eine große Volksmenge anderer Schafe auf die Botschaft vom Königreich ansprechen würde, predigte man noch intensiver (Jes. 55:5; Joh. 10:16; Offb. 7:9). Das Ergebnis? Die Zahl der Verkündiger stieg von 41 000 im Jahr 1934 auf 500 000 im Jahr 1953. Der Wachtturm vom 1. März 1955 folgerte treffend: „Durch Jehovas Geist und die Macht seines Wortes ist diese große, weltweite Predigternte eingebracht worden“ (Sach. 4:6).b

WELTWEITES WACHSTUM

Land

1962

1987

2013

Australien

15 927

46 170

66 023

Brasilien

26 390

216 216

756 455

Frankreich

18 452

96 954

124 029

Italien

6 929

149 870

247 251

Japan

2 491

120 722

217 154

Mexiko

27 054

222 168

772 628

Nigeria

33 956

133 899

344 342

Philippinen

36 829

101 735

181 236

USA

289 135

780 676

1 203 642

Sambia

30 129

67 144

162 370

ZUNAHME AN BIBELSTUDIEN

1950

234 952

1960

646 108

1970

1 146 378

1980

1 371 584

1990

3 624 091

2000

4 766 631

2010

8 058 359

Das Ergebnis der Ernte anschaulich vorhergesagt

10, 11. Welche Merkmale des Wachstums werden in dem Gleichnis vom Senfkorn herausgestellt?

10 Jesus schilderte in seinen Gleichnissen vom Königreich in lebendiger Sprache, was durch die Ernte erreicht würde. Sehen wir uns dazu das Gleichnis vom Senfkorn und das vom Sauerteig an. Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf die Erfüllung in der Zeit des Endes.

11 Das Gleichnis vom Senfkorn. Ein Mensch sät ein Senfkorn. Es wird schließlich zu einem Baum, in dem die Vögel Unterschlupf finden. (Lies Matthäus 13:31, 32.) Welche Merkmale des Wachstums werden in dem Gleichnis herausgestellt? (1) Das Ausmaß des Wachstums ist verblüffend. Das „winzigste“ aller Samenkörner wird gemäß Markus 4:31, 32 zu einem Baum, der „große Zweige“ treibt. (2) Das Wachstum ist gewiss. Im Markusevangelium heißt es weiter über das Senfkorn: „Wenn es gesät ist, geht es auf.“ Jesus sagte nicht „geht es vielleicht auf“, sondern „geht es auf“. Das Wachstum lässt sich nicht aufhalten. (3) Der immer größer werdende Baum lädt die „Vögel des Himmels“ dazu ein, sich in seinem Schatten niederzulassen. Was bedeuten diese drei Merkmale für die geistige Ernte von heute?

12. Wie lässt sich das Gleichnis vom Senfkorn auf die heutige Ernte übertragen? (Siehe auch die Grafik „Zunahme an Bibelstudien“.)

12 (1) Ausmaß des Wachstums: In diesem Gleichnis wird die Ausbreitung der Botschaft vom Königreich und das Wachstum der Christenversammlung hervorgehoben. Seit 1919 werden fleißige Erntearbeiter in die wieder bestehende Christenversammlung eingesammelt. Damals waren es nur wenige, aber die Zahl stieg rasch an. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist eine phänomenale Zunahme zu verzeichnen (Jes. 60:22). (2) Gewissheit: Das Wachstum der Christenversammlung lässt sich nicht aufhalten. Die Feinde Gottes konnten das zarte Pflänzchen mit noch so viel Geröll zuschütten, es kämpfte sich durch — allen Widerständen zum Trotz (Jes. 54:17). (3) Sich niederlassen: „Die Vögel des Himmels“, die sich in dem Baum niederlassen, stehen für viele Millionen aufrichtige Menschen aus etwa 240 Ländern und Territorien. Sie haben positiv auf die Botschaft vom Königreich reagiert und sich der Christenversammlung angeschlossen (Hes. 17:23). Dort erhalten sie geistige Nahrung, können aufleben und finden Schutz (Jes. 32:1, 2; 54:13).

Verschiedene Vögel in einem Senfbaum

Das Gleichnis vom Senfkorn zeigt, dass man sich in der Christenversammlung gut aufgehoben und geschützt fühlt (Siehe Absatz 11, 12)

13. Welche Merkmale werden in dem Gleichnis vom Sauerteig hervorgehoben?

13 Das Gleichnis vom Sauerteig. Eine Frau mischt unter eine Masse Mehl etwas Sauerteig, der alles durchsäuert. (Lies Matthäus 13:33.) Welche zwei Merkmale werden hier hervorgehoben? (1) Wachstum bewirkt eine Umwandlung. Die Masse wird durchsäuert. (2) Wachstum bedeutet Ausbreitung. Der Sauerteig durchsäuert alle „drei großen Maß Mehl“ — die ganze Masse. Wie lassen sich diese zwei Punkte auf die geistige Ernte von heute übertragen?

14. Wie lässt sich das Gleichnis vom Sauerteig auf die heutige Ernte übertragen?

14 (1) Umwandlung: Der Sauerteig steht für die Botschaft vom Königreich und die Masse Mehl für die Menschheit. Wie der Sauerteig das Mehl verändert, sobald beides vermengt wird, verändert auch die Botschaft vom Königreich das Herz der Menschen, wenn sie darauf ansprechen (Röm. 12:2). (2) Ausbreitung: Die Vermehrung des Sauerteigs steht für die Ausbreitung dieser Botschaft. Er durchdringt die ganze Masse. Ähnlich hat sich die gute Botschaft „bis zum entferntesten Teil der Erde“ ausgebreitet (Apg. 1:8). Dieses Merkmal des Gleichnisses deutet außerdem darauf hin, dass die Botschaft vom Königreich auch Verbotsländer erreicht. Das Wachstum geht dort natürlich weitgehend unbemerkt vor sich.

15. Wie haben sich die Worte aus Jesaja 60:5, 22 erfüllt? (Siehe auch die Kästen „Jehova machte es möglich“ und „Wie ‚der Kleine‘ zu einer ‚mächtigen Nation‘ wurde“.)

15 Rund 800 Jahre bevor Jesus diese Gleichnisse erzählte, prophezeite Jesaja in bildhafter Sprache, wie groß die Ernte sein würde und wie viel Freude sie auslösen würde.c „Von fern her“ würden Menschen zur Organisation Gottes strömen. Jehova sagte zu einer „Frau“, die heute auf der Erde durch die Gesalbten vertreten wird: „Du [wirst] sehen und gewiss strahlen, und dein Herz wird tatsächlich beben und weit werden, denn der Reichtum des Meeres wird sich dir zuwenden; ja das Vermögen der Nationen wird zu dir kommen“ (Jes. 60:1, 4, 5, 9). Das können viele langjährige Diener Jehovas nur bestätigen. Sie strahlen heute vor Freude darüber, dass aus einer Handvoll Verkündiger in ihrem Land viele Tausende geworden sind.

Warum alle Grund zur Freude haben

16, 17. Was ist ein Grund, warum „sich der Sämann und der Schnitter zusammen freuen können“? (Siehe auch den Kasten „Zwei Traktate berühren zwei Herzen im Amazonaswald“.)

16 Wir erinnern uns bestimmt daran, dass Jesus zu seinen Aposteln sagte: „Der Schnitter . . . sammelt Frucht zum ewigen Leben, sodass sich der Sämann und der Schnitter zusammen freuen können“ (Joh. 4:36). Warum gibt die weltweite Ernte Anlass, sich gemeinsam zu freuen? Greifen wir einmal drei Gründe heraus.

17 Erstens freuen wir uns über die Rolle, die Jehova bei dem Ganzen spielt. Beim Predigen der Botschaft vom Königreich sät man Samen (Mat. 13:18, 19). Kann man jemandem helfen, ein Jünger Christi zu werden, bringt man die Ernte ein. Und wir alle empfinden tiefe Freude, wenn wir staunend beobachten, wie Jehova den Samen vom Königreich „sprossen“ und „wachsen“ lässt (Mar. 4:27, 28). Manche Samenkörner gehen erst später auf und jemand anders bringt die Ernte ein. Vielleicht ist es dir auch schon so gegangen wie Joan aus Großbritannien, die sich vor 60 Jahren taufen ließ. Sie berichtete: „Schon mehrere haben mir gesagt, ich hätte vor Jahren Samen in ihr Herz gesät, als ich ihnen von der Wahrheit erzählte. Irgendwann haben dann andere ein Bibelstudium mit ihnen angefangen und ihnen geholfen, sich für Jehova zu entscheiden. Ich freue mich, dass meine Saat aufgegangen ist und geerntet wurde.“ (Lies 1. Korinther 3:6, 7.)

JEHOVA MACHTE ES MÖGLICH

JESUS erklärte: „Dinge, die bei Menschen unmöglich sind, sind bei Gott möglich“ (Luk. 18:27). Das können viele von uns bestätigen. Man hat schon oft versucht, die Predigttätigkeit zu unterbinden, doch Jehova hat uns immer weitergeholfen.

Zacharie

Zacharie Elegbe (66 Jahre, 1963 getauft) erinnert sich daran, wie ein Verbot der Zeugen Jehovas in Benin den Brüdern letztlich zugutekam: „1976, als wir 2 300 Verkündiger waren, wurde unser Werk verboten und die Regierung ließ diese Entscheidung in allen einheimischen Sprachen über den Rundfunk bekannt geben. So etwas war noch nie da gewesen. Benin hat zwar über 60 Sprachen, aber Rundfunksendungen wurden damals normalerweise nur in 5 Sprachen ausgestrahlt. Durch die Bekanntgabe in allen einheimischen Sprachen hörten etliche Tausende in abgelegenen Gebieten zum allerersten Mal von uns. Sie fragten sich: ‚Zeugen Jehovas — wer ist das denn? Und warum sind sie verboten?‘ Als wir diese Gebiete später bearbeiteten, nahmen viele auf der Stelle die Wahrheit an.“ Heute gibt es in Benin mehr als 11 500 Zeugen Jehovas.

Marija

Marija Sinitsch (74 Jahre, 1957 getauft) erzählt: „Ich war ungefähr 12, da wurde unsere ganze Familie von der Ukraine nach Sibirien in Russland verbannt. Die Regierung wollte uns überall in der ehemaligen Sowjetunion mundtot machen. Doch obwohl man uns so erbittert bekämpfte, war ein erstaunliches Wachstum zu verzeichnen. Das überzeugte mich davon: Es ist das Werk Jehovas. Niemand kann es aufhalten!“ Eine andere Marija (73 Jahre, 1960 getauft) sagt: „Durch die Deportationen nach Sibirien erfuhren viele Menschen in entlegenen Gebieten von der Wahrheit.“

Jesús

Jesús Martín (77 Jahre, 1955 getauft) berichtet: „Als ich die Wahrheit kennenlernte, gab es bei uns in Spanien 300 Zeugen Jehovas. 1960 wurden die Übergriffe gegen uns brutal. Die Polizei sollte Jehovas Zeugen ausschalten. Damals konnten wir uns nicht vorstellen, wie wir jemals im ganzen Land die gute Botschaft predigen sollten. Es gab keinen Lichtblick für uns. Doch heute zählen wir in Spanien fast 111 000 Verkündiger. Kein Widerstand konnte dieses Wachstum bremsen. Das hat mich in der Überzeugung bestärkt: Mit Jehova an unserer Seite ist nichts unmöglich!“

18. Welcher Grund zur Freude wird in 1. Korinther 3:8 genannt?

18 Zweitens können wir freudige Arbeiter sein, wenn wir im Sinn behalten, was Paulus sagte: „Jeder [wird] seinen eigenen Lohn gemäß seiner eigenen mühevollen Arbeit empfangen“ (1. Kor. 3:8). Der Lohn wird für die Arbeit gegeben, nicht für die Ergebnisse. Das kann allen Mut machen, die in ihrem Predigtgebiet nur wenig Widerhall finden. In Gottes Augen trägt jeder Zeuge, der mit ganzem Herzen Samen sät, „viel Frucht“ und hat deshalb Grund, sich zu freuen (Joh. 15:8; Mat. 13:23).

19. (a) Was hat Jesu Prophezeiung aus Matthäus 24:14 mit unserer Freude zu tun? (b) Was dürfen wir nicht vergessen, wenn es uns persönlich nicht gelingt, Jünger zu machen?

19 Drittens freuen wir uns, weil sich durch unsere Arbeit eine Prophezeiung erfüllt. Denken wir an Jesu Antwort auf die Frage seiner Apostel: „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ Als ein Merkmal dieses Zeichens führte er ein globales Predigtwerk an. Sprach er hier vom Jüngermachen? Nein. Jesus sagte: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis“ (Mat. 24:3, 14). Die Verkündigung des Königreiches — das Aussäen von Samen — ist somit ein Bestandteil des Zeichens. Wenn es uns also beim Predigen der guten Botschaft nicht gelingt, Jünger zu machen, gelingt es uns dennoch, „Zeugnis“ abzulegen.d Wie auch immer die Menschen reagieren, wir tragen zur Erfüllung der Prophezeiung Jesu bei und fühlen uns geehrt, „Gottes Mitarbeiter“ zu sein (1. Kor. 3:9). Wenn das kein Grund zur Freude ist!

„Vom Aufgang der Sonne selbst bis zu ihrem Untergang“

20, 21. (a) Wie erfüllen sich die Worte aus Maleachi 1:11? (b) Was hast du dir für die Ernte vorgenommen, und warum?

20 Im 1. Jahrhundert führte Jesus seinen Aposteln vor Augen, wie dringend die Ernte war. Dasselbe hat Jesus seinen Jüngern auch von 1919 an klargemacht. Sie haben daraufhin ihre Anstrengungen gesteigert und ihre Erntearbeit war nicht mehr aufzuhalten. Wie Maleachi voraussagte, wird heute „vom Aufgang der Sonne selbst bis zu ihrem Untergang“ gepredigt (Mal. 1:11). Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang — von Osten nach Westen, ja überall — arbeiten Sämann und Schnitter freudig zusammen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang — von morgens bis abends, ja den ganzen Tag — arbeiten wir in dem Bewusstsein, dass die Zeit drängt.

21 Wenn wir auf die letzten 100 Jahre zurückblicken und sehen, wie eine kleine Gruppe von Dienern Gottes zu einer „mächtigen Nation“ geworden ist — hüpft da nicht unser Herz vor Freude? (Jes. 60:5, 22). Diese Freude und unsere Liebe zu Jehova, dem „Herrn der Ernte“, motiviert uns auch weiter, bei der größten Ernte aller Zeiten bis zum Ende mitzumachen (Luk. 10:2).

a Als Jesus von weißen Feldern sprach, nahm er eventuell auf die weißen Gewänder der näher kommenden Samariter Bezug.

b Mehr über diese Jahre und die Jahrzehnte danach erfährt man aus dem Buch Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 425 bis 520. Dort werden die Ergebnisse des Erntewerks von 1919 bis 1992 beschrieben.

c Näheres über diese anschauliche Prophezeiung findet man in dem Buch Die Prophezeiung Jesajas — Licht für alle Menschen II, Seite 303 bis 320.

d Dieses wichtige Detail verstanden schon die ersten Bibelforscher. Zions Wacht-Turm (engl.) vom 15. November 1895 schrieb: „Wird auch noch so wenig Weizen eingesammelt, so wird doch zumindest reichlich Zeugnis für die Wahrheit abgelegt. . . . Das Evangelium können alle predigen.“

Wie real ist das Königreich für dich?

  • Was wurde durch das Königreich bei der geistigen Ernte erreicht?

  • Wozu motiviert dich das Gleichnis vom Senfkorn und das vom Sauerteig?

  • Welche Gründe zur Freude hast du beim Predigen?

ZWEI TRAKTATE BERÜHREN ZWEI HERZEN IM AMAZONASWALD

Antônio Simões

Antônio Simões

EIN treuer 91-jähriger Ältester namens Antônio Simões hat Besuch. Er schwelgt in Erinnerungen an seinen Vater und seinen Onkel, die durch zwei Traktate die Wahrheit kennenlernten. „Möchtet ihr die Geschichte hören?“, fragt er. „Aber gerne doch!“, antworten seine Besucher. Lächelnd nimmt Antônio Platz und fängt mit leuchtenden Augen an zu erzählen.

„Zeno, mein Vater, war Baptistenprediger. 1931 reiste er in ein entlegenes Fleckchen im Amazonaswald, um eine Baptistin zu besuchen. Bei ihr zu Hause fiel sein Blick auf zwei biblische Traktate, die sie in der Kirche gefunden hatte. Sie wusste aber nicht, wer die Blättchen dort liegen gelassen hatte. Das eine Traktat handelte von der Hölle, das andere von der Auferstehung. Was mein Vater da las, berührte ihn tief. Sofort dachte er an seinen Schwager Guilherme, der schon oft zu ihm gesagt hatte: ‚Ich glaube nicht an die Hölle. Ein Gott der Liebe würde nie so einen Ort schaffen.‘ Mein Vater wollte ihm die Traktate unbedingt zeigen. Kurzerhand stieg er in sein Kanu und paddelte acht Stunden nach Manaquiri, einer Siedlung bei Manaus, wo Guilherme lebte.

Antônio Simões hat zwei Fotos von der ersten Versammlung in Manaquiri im brasilianischen Bundesstaat Amazonas in den Händen

Die erste Versammlung im brasilianischen Bundesstaat Amazonas

Nachdem mein Vater und Onkel Guilherme die Traktate gründlich gelesen hatten, waren sie sich einig: ‚Das ist die Wahrheit!‘ Sie schrieben sofort an das Zweigbüro in Brasilien und baten um Literatur. Vater legte sein Amt als Pastor nieder und predigte zusammen mit meinem Onkel die biblische Botschaft in dieser abgelegenen Region. Die Resonanz war so gut, dass innerhalb eines Jahres in Manaquiri eine Versammlung gegründet wurde. Es dauerte nicht lange und 70 Dorfbewohner besuchten die Zusammenkünfte. Damit war diese Versammlung die größte Brasiliens.“ Antônio hält kurz inne und fragt dann: „Ist es nicht begeisternd, wie die Botschaft vom Königreich bis in den Amazonaswald durchgedrungen ist?“ Allerdings. Zwei winzige verstreute Samen — zwei kleine Bibeltraktate — gingen in dem riesigen Amazonaswald auf und es entwickelte sich eine blühende Versammlung. Heute, 83 Jahre später, ist die Versammlung Manaquiri eine von 143 Versammlungen im brasilianischen Bundesstaat Amazonas.

WIE „DER KLEINE“ ZU EINER „MÄCHTIGEN NATION“ WURDE

„DER Kleine selbst wird zu einem Tausend werden und der Geringe zu einer mächtigen Nation. Ich selbst, Jehova, werde es beschleunigen zu seiner eigenen Zeit“ (Jes. 60:22). Wie hat sich das bewahrheitet? Und wie berührt es langjährige Zeugen Jehovas rund um die Welt?

Börje Nilsson

Börje Nilsson (84 Jahre, 1943 getauft): „Ich erinnere mich an einen gesalbten Bruder, der in den 20er-Jahren Kolporteur war. Als er fast die Hälfte von Schweden bearbeiten sollte, machte er sich ohne Zögern ans Werk. Er und viele andere treue Brüder und Schwestern wurden für ihren Einsatz reich belohnt. Heute haben wir über 22 000 Verkündiger. Inzwischen bin ich zwar nicht mehr der Jüngste, aber ich möchte weiter Jehovas Willen tun. Wer weiß, was für Überraschungen Jehova noch für uns auf Lager hat?“

Etienne Esterhuyse

Etienne Esterhuyse (83 Jahre, 1942 getauft): „Ich staune nur so, wenn ich darüber nachdenke, wie die Zahl der Zeugen Jehovas in Südafrika von rund 1 500 im Jahr 1942 auf über 94 000 angestiegen ist. Ich finde es überaus glaubensstärkend, zu so einer gewaltigen Organisation zu gehören.“

Keith Gaydon

Keith Gaydon (82 Jahre, 1948 getauft): „Ich habe beobachtet, wie die Verkündigerzahl in Großbritannien von etwa 13 700 im Jahr 1948 auf fast 137 000 angewachsen ist. So etwas kann nur Jehova zustande bringen. Mit menschlicher Kraft wäre es unmöglich, aber Jehova tut Wunder“ (2. Mo. 15:11).

Ulrike Krolop

Ulrike Krolop (77 Jahre, 1952 getauft): „Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in den Versammlungen in Deutschland viele Zeugen, die während der NS-Zeit verfolgt worden waren. Ihre Treue und wie eifrig sie predigten, spornte uns sehr an. Die Menschen benötigten dringend Trost, und den konnten ihnen Jehovas Zeugen geben, weil sie sich nicht an diesem schrecklichen Krieg beteiligt hatten. Während der vergangenen 60 Jahre durfte ich beobachten, wie großartig Jehova sein Volk durch seinen Geist geführt hat. Heute gibt es in unserem Land über 164 000 Zeugen.“

Marija Brinezkaja

Marija Brinezkaja (77 Jahre, 1955 getauft): „Ich ließ mich nachts im Schutz der Dunkelheit taufen, um nicht verhaftet zu werden. Mein Mann landete später in einem weit entfernten Arbeitslager, weil er ein Zeuge Jehovas war. Ich predigte hier in meinem Dorf in Russland vorsichtig weiter und mehrere meiner Nachbarn nahmen die Wahrheit an. Damals gab es nur wenige Brüder und Schwestern. Wie ich mich freue, dass wir heute über 168 000 sind!“

Kimiko Yamano

Kimiko Yamano (79 Jahre, 1954 getauft): „Als ich 1970 erfuhr, dass wir in Japan 10 000 Verkündiger hatten, konnte ich meine Freudentränen nicht zurückhalten und versprach Jehova noch einmal: ‚Ich bleib dir mein Leben lang treu.‘ Da kann man sich vorstellen, wie glücklich ich heute über unsere mehr als 216 000 Verkündiger bin!“

Daniel Odogun

Daniel Odogun (83 Jahre): „Als ich mich 1950 taufen ließ, gab es in Nigeria 8 000 Verkündiger. Heute sind wir ungefähr 351 000! Auf Kongressen berührt es mich sehr, so viele Anwesende zu sehen, und dann denke ich immer an Haggai 2:7. Jehova erschüttert wirklich die Nationen, und es kommen lauter Kostbarkeiten herein. Ich tue nach wie vor mein Möglichstes beim Predigen, denn das ist meine Art zu sagen: ‚Danke, Jehova!‘ “

Carlos Silva

Carlos Silva (79 Jahre): „Wir zählten 5 000 Zeugen in Brasilien, als ich mich 1952 taufen ließ. Damals hatten wir unseren Kongress in einer Sporthalle von São Paulo. Auf dem Parkplatz standen zwei Autos. Ein Bruder zeigte auf das nahe gelegene Estádio do Pacaembu und fragte mich: ‚Denkst du, wir kriegen das je voll?‘ Es schien unmöglich, aber 1973 war dieses Stadion mit 94 586 Besuchern voll besetzt. Heute gibt es über 767 000 Brüder und Schwestern in Brasilien. Es ist wunderschön, diese Mehrung zu sehen!“

Carlos Cázares

Carlos Cázares (73 Jahre): „Im Jahr meiner Taufe — 1954 — gab es in Mexiko 10 500 Verkündiger. Es herrschte so großer Bedarf, dass ich mit 21 Jahren zum Kreisaufseher ernannt wurde. Was für ein Segen, mit eigenen Augen die Erfüllung von Jesaja 60:22 zu beobachten! Heute sind wir über 806 000 und haben mehr als eine Million Bibelstudien. Einfach überwältigend!“

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