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  • Die ersten Christen und der Staat
    Der Wachtturm 1996 | 1. Mai
    • Cäsar zahlen, was ihm „gebührt“

      Jesus legte eine Regel fest, nach der sich das Verhalten der Christen gegenüber dem römischen Staat beziehungsweise gegenüber jeder anderen Regierung richten sollte, als er erklärte: „Zahlt ... Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott“ (Matthäus 22:21). Dieser Rat für Nachfolger Jesu stand in krassem Gegensatz zur Einstellung vieler nationalistischer Juden, denen die römische Herrschaft ein Dorn im Auge war und die es für ungesetzlich hielten, an eine fremde Macht Steuern zu entrichten.

      Paulus sagte einige Zeit später zu den in Rom ansässigen Christen: „Daher besteht zwingender Grund, daß ihr untertan seid, nicht nur jenes Zorns wegen, sondern auch eures Gewissens wegen. Denn darum zahlt ihr auch Steuern; denn sie [die herrschenden „obrigkeitlichen Gewalten“] sind Gottes öffentliche Diener, die für ebendiesen Zweck beständig dienen. Erstattet allen, was ihnen gebührt: dem, der die Steuer verlangt, die Steuer; dem, der den Tribut verlangt, den Tribut“ (Römer 13:5-7). Die Christen waren zwar kein Teil der Welt, aber sie waren verpflichtet, ehrliche Bürger und Steuerzahler zu sein, die sich für die vom Staat geleisteten Dienste erkenntlich zeigten (Johannes 17:16).

      Beschränkten sich Jesu Worte eigentlich auf das Zahlen von Steuern? Da Jesus nicht genau definierte, was dem Cäsar und was Gott zusteht, gibt es Grenzfälle, die entsprechend den Umständen beziehungsweise im Einklang mit unserem Verständnis der gesamten Bibel entschieden werden müssen. Mit anderen Worten, bei der Entscheidung, was ein Christ dem Cäsar zahlen kann, kommt es manchmal auf das durch biblische Grundsätze geschärfte Gewissen des Christen an.

      Sorgfältiges Abwägen zwischen zwei konkurrierenden Ansprüchen

      Viele Menschen vergessen gern, daß Jesus nach dem Hinweis, Cäsars Dinge Cäsar zurückzuzahlen, weiter sagte: „Gottes Dinge [zahlt] aber Gott [zurück].“ Der Apostel Petrus wies auf das hin, was für Christen Vorrang hat. Unmittelbar im Anschluß an seinen Rat, dem „König“ oder Kaiser und seinen „Statthaltern“ untertan zu sein, schrieb er: „Seid gleich freien Menschen, und behaltet doch eure Freiheit nicht als einen Deckmantel für Schlechtigkeit, sondern als Sklaven Gottes. Ehrt Menschen von allen Arten, habt Liebe zur ganzen Bruderschaft, habt Gottesfurcht, ehrt den König“ (1. Petrus 2:16, 17). Wie der Apostel zeigte, sind Christen Sklaven Gottes und nicht Sklaven eines menschlichen Herrschers. Sie müssen Staatsvertretern zwar in angemessener Weise Ehre und Respekt erweisen, doch sie müssen dies in der Furcht Gottes tun, dessen Gesetze allem übergeordnet sind.

      Bereits in früheren Jahren hatte Petrus keinen Zweifel am Vorrang des Gesetzes Gottes vor menschlichen Gesetzen gelassen. Der jüdische Sanhedrin war ein Verwaltungsorgan, dem die Römer sowohl zivile als auch religiöse Befugnisse gewährt hatten. Als dieser den Nachfolgern Jesu befahl, nicht mehr im Namen Christi zu lehren, erwiderten Petrus und die anderen Apostel respektvoll, aber entschlossen: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29). Für die ersten Christen galt es ganz offensichtlich, sorgfältig abzuwägen zwischen dem Gehorsam gegenüber Gott und angebrachter Unterwerfung unter die menschliche Obrigkeit. Tertullian formulierte es Anfang des dritten Jahrhunderts u. Z. wie folgt: „Wenn dem Kaiser alles gehört, was wird für Gott übrig bleiben?“

  • Gott und Cäsar
    Der Wachtturm 1996 | 1. Mai
    • Gott und Cäsar

      „Zahlt also auf jeden Fall Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott“ (LUKAS 20:25).

      1. (a) Wie erhaben ist die Stellung Jehovas? (b) Was dürfen wir dem Cäsar niemals geben, weil wir es Jehova schulden?

      ALS Jesus Christus diese Anweisung gab, stand für ihn außer Zweifel, daß das, was Gott von seinen Dienern fordert, Vorrang vor allem hat, was der Cäsar oder der Staat von ihnen verlangt. Besser als jeder andere wußte Jesus, wie wahr das ist, was der Psalmist im Gebet zu Jehova gesagt hatte: „Dein Königtum ist ein Königtum für alle unabsehbaren Zeiten, und deine Herrschaft [Souveränitäta] währt durch alle sich folgenden Generationen hindurch“ (Psalm 145:13). Jesus entgegnete auf das Angebot des Teufels, ihm die Herrschaft über alle Königreiche der bewohnten Erde zu geben: „Es steht geschrieben: ‚Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm allein sollst du heiligen Dienst darbringen‘“ (Lukas 4:5-8). Eine Anbetung oder Verehrung des „Cäsars“ war und ist völlig ausgeschlossen, ganz gleich, ob es sich dabei um den römischen Kaiser, um irgendeinen anderen menschlichen Herrscher oder um den Staat an sich handelt.

      2. (a) Welche Stellung nimmt Satan gegenwärtig in bezug auf die Welt ein? (b) Mit wessen Zulassung hat Satan diese Stellung inne?

      2 Jesus stellte nicht in Abrede, daß Satan die Königreiche der Welt vergeben konnte. Er bezeichnete Satan später als den „Herrscher dieser Welt“ (Johannes 12:31; 16:11). Der Apostel Johannes schrieb gegen Ende des ersten Jahrhunderts u. Z.: „Wir wissen, daß wir von Gott stammen, aber die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“ (1. Johannes 5:19). Das bedeutet aber nicht, daß Jehova seine Souveränität über die Erde aufgegeben hat. Denken wir daran, daß Satan erklärte, als er Jesus die Herrschaft über die politischen Königreiche anbot: „Dir will ich diese ganze Gewalt ... geben; denn mir ist sie übergeben worden“ (Lukas 4:6). Satan kann nur mit Gottes Zulassung Gewalt über die Königreiche der Welt ausüben.

      3. (a) Welche Stellung nehmen die Staatsregierungen vor Jehova ein? (b) Warum kann gesagt werden, daß die Unterordnung unter die Regierungen dieser Welt nicht bedeutet, sich Satan, dem Gott dieser Welt, unterzuordnen?

      3 In ähnlicher Weise übt der Staat seine Gewalt allein deshalb aus, weil Gott als souveräner Herrscher dies gestattet (Johannes 19:11). Daher kann von den „bestehenden Gewalten“ gesagt werden, daß sie „in ihren relativen Stellungen als von Gott angeordnet [stehen]“. Im Verhältnis zu der allerhöchsten souveränen Gewalt Jehovas ist ihre Gewalt ziemlich gering. Sie sind allerdings „Gottes Dienerin“ oder „Gottes öffentliche Diener“, nämlich insofern, als sie notwendige Dienste leisten, Recht und Ordnung aufrechterhalten und Übeltäter bestrafen (Römer 13:1, 4, 6). Christen müssen daher verstehen, daß sie sich nicht Satan unterwerfen, wenn sie ihre relative Unterordnung unter den Staat anerkennen, selbst wenn Satan der unsichtbare Herrscher dieser Welt oder dieses Systems ist. Sie gehorchen in diesem Fall Gott. Auch heute, 1996, ist der Staat immer noch ein Teil der „Anordnung Gottes“, einer von Gott zugelassenen, vorübergehenden Anordnung, und er sollte von den irdischen Dienern Jehovas in diesem Sinne anerkannt werden (Römer 13:2).

      Jehovas vorchristliche Diener und der Staat

      4. Warum gestattete Jehova, daß Joseph in der ägyptischen Regierung eine hohe Stellung erhielt?

      4 In vorchristlicher Zeit gestattete Jehova einigen seiner Diener, eine hohe Stellung in Staatsregierungen einzunehmen. Joseph wurde beispielsweise im 18. Jahrhundert v. u. Z. der erste Minister von Ägypten und kam gleich nach dem damals herrschenden Pharao (1. Mose 41:39-43). Die dann folgenden Ereignisse ließen erkennen, daß dies von Jehova gelenkt worden war, damit Joseph dabei behilflich sein konnte, den ‘Samen Abrahams’, das heißt Abrahams Nachkommen, am Leben zu erhalten, was für die Verwirklichung der Vorsätze Gottes erforderlich war. Man sollte allerdings auch im Sinn behalten, daß Joseph in die Sklaverei nach Ägypten verkauft worden war und daß er zu einer Zeit lebte, in der Gottes Diener weder das mosaische Gesetz noch „das Gesetz des Christus“ hatten (1. Mose 15:5-7; 50:19-21; Galater 6:2).

      5. Warum wurde den ins Exil geführten Juden geboten, Babylons ‘Frieden zu suchen’?

      5 Jahrhunderte später wurde der treue Prophet Jeremia von Jehova inspiriert, den weggeführten Juden zu sagen, daß sie sich im Exil in Babylon den Herrschern unterwerfen und sogar für den Frieden jener Stadt beten sollten. Er schrieb in einem an sie gerichteten Brief: „Dies ist, was Jehova der Heerscharen, der Gott Israels, zu allen ins Exil Weggeführten gesprochen hat[: ,]... sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch ins Exil habe gehen lassen, und betet für sie zu Jehova, denn in ihrem Frieden wird sich selbst für euch Frieden finden‘“ (Jeremia 29:4, 7). Für Jehovas Diener besteht immer Grund, ‘Frieden zu suchen’, und zwar für sich und für das Land, in dem sie leben, damit sie die Freiheit haben, Jehova anzubeten (1. Petrus 3:11).

      6. Inwiefern hielten sich Daniel und seine drei Gefährten ungeachtet ihrer hohen Stellung im Staatsdienst kompromißlos an das Gesetz Jehovas?

      6 Während des Babylonischen Exils unterzogen sich Daniel und drei andere treue Juden, die sich in Babylonischer Gefangenschaft befanden, einem staatlichen Ausbildungsprogramm, und sie wurden hochrangige Beamte in Babylonien (Daniel 1:3-7; 2:48, 49). Doch selbst während ihrer Ausbildung nahmen sie eine feste Haltung ein, was ihre Ernährung betraf, um auf keinen Fall das Gesetz zu brechen, das Jehova, ihr Gott, ihnen durch Moses gegeben hatte. Dafür wurden sie gesegnet (Daniel 1:8-17). Als König Nebukadnezar ein Standbild als Symbol des Staates aufstellte, mußten die drei hebräischen Gefährten Daniels offenbar zusammen mit den anderen Staatsbediensteten der Zeremonie beiwohnen. Sie weigerten sich allerdings, vor dem Staatsgötzen ‘niederzufallen und ihn anzubeten’. Erneut belohnte Jehova ihre Lauterkeit (Daniel 3:1-6, 13-28). In ähnlicher Weise respektieren Jehovas Zeugen heute die Fahne des Landes, in dem sie leben, aber sie werden ihr keinen Akt der Anbetung oder Verehrung erweisen (2. Mose 20:4, 5; 1. Johannes 5:21).

      7. (a) Welche vorbildliche Haltung nahm Daniel ein, obwohl er in Babylon eine hohe Stellung in der Regierung hatte? (b) Was änderte sich in christlicher Zeit?

      7 Nach dem Fall der neubabylonischen Dynastie erhielt Daniel ein hohes Regierungsamt unter den neuen medo-persischen Machthabern in Babylon (Daniel 5:30, 31; 6:1-3). Doch trotz seines hohen Amtes bewahrte er kompromißlos seine Lauterkeit. Als ein Gesetz von ihm forderte, König Darius statt Jehova anzubeten, weigerte er sich, das zu tun. Er wurde deshalb den Löwen vorgeworfen, aber Jehova rettete ihn (Daniel 6:4-24). Das war natürlich in vorchristlicher Zeit. Durch die Gründung der Christenversammlung kamen Gottes Diener „unter Gesetz gegenüber Christus“ zu stehen. Vieles, was im jüdischen System gestattet war, mußte jetzt anders gesehen werden, gestützt darauf, wie Jehova nun mit seinem Volk handelte (1. Korinther 9:21; Matthäus 5:31, 32; 19:3-9).

      Jesu Einstellung zum Staat

      8. Welche Begebenheit zeigt, daß Jesus entschlossen war, sich nicht in die Politik verwickeln zu lassen?

      8 Jesus Christus legte während seines irdischen Lebens höhere Maßstäbe für seine Nachfolger fest, und er lehnte jegliche Verwicklung in politische oder militärische Angelegenheiten ab. Nachdem Jesus durch ein Wunder mehrere tausend Menschen mit einigen Broten und zwei kleinen Fischen gespeist hatte, wollten ihn jüdische Männer ergreifen, um ihn zum König oder politischen Herrscher zu machen. Doch Jesus entkam ihnen, indem er sich schnell in die Berge zurückzog (Johannes 6:5-15). In einem Bibelkommentar heißt es mit Bezug auf diesen Vorfall: „Die Juden jener Zeit hegten sehnsüchtige nationalistische Hoffnungen, und zweifellos hielten viele, die das Wunder sahen, ihn für einen von Gott bestätigten Führer, der genau der Richtige war, um sie gegen die Römer zu führen. Daher beschlossen sie, ihn zum König zu machen“ (The New International Commentary on the New Testament). In dem Werk heißt es weiter, daß Jesus dieses Angebot der politischen Führerschaft „entschieden zurückwies“. Christus enthielt sich jeglicher Unterstützung eines jüdischen Aufstands gegen die römische Herrschaft. Er sagte sogar die Folgen der Revolte voraus, zu der es nach seinem Tod kommen sollte — unbeschreibliches Leid für die Einwohner Jerusalems und die Zerstörung der Stadt (Lukas 21:20-24).

      9. (a) Wie beschrieb Jesus das Verhältnis seines Königreiches zur Welt? (b) Welche Anleitung gab Jesus seinen Nachfolgern, was ihr Verhalten gegenüber den Regierungen der Welt betrifft?

      9 Kurz vor seinem Tod erklärte Jesus gegenüber dem höchsten Vertreter des römischen Kaisers in Judäa: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher“ (Johannes 18:36). Christi Jünger folgen seinem Beispiel, bis sein Königreich der Herrschaft der politischen Regierungen ein Ende machen wird. Sie gehorchen zwar den eingesetzten Gewalten, aber sie mischen sich nicht in deren Politik ein (Daniel 2:44; Matthäus 4:8-10). Jesus gab seinen Jüngern Richtlinien, als er sagte: „Zahlt daher Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott“ (Matthäus 22:21). Bereits in der Bergpredigt hatte Jesus erklärt: „Wenn jemand mit Befugnis dich für eine Meile zum Dienst zwingt, so gehe mit ihm zwei Meilen“ (Matthäus 5:41). In dieser Predigt veranschaulichte Jesus unter anderem den Grundsatz der bereitwilligen Unterordnung, wenn es um berechtigte Forderungen geht, sei es in Verbindung mit den zwischenmenschlichen Beziehungen oder in bezug auf staatliche Forderungen, die mit Gottes Gesetz im Einklang sind (Lukas 6:27-31; Johannes 17:14, 15).

      Christen und der Cäsar

      10. Welche Haltung nahmen die ersten Christen gemäß einem Historiker aus Gewissensgründen gegenüber dem Cäsar ein?

      10 Diese knappen Richtlinien sollten das Verhältnis zwischen den Christen und dem Staat regeln. Der Historiker E. W. Barnes schrieb in seinem Werk: „War in künftigen Jahrhunderten ein Christ hinsichtlich seiner Pflicht gegenüber dem Staat im Zweifel, richtete er sich nach Christi verbindlichen Lehren. Er mußte Steuern zahlen: Die Abgabenlast mochte schwer sein — sie wurde vor dem Zusammenbruch des Westreiches unerträglich —, aber der Christ würde sich damit abfinden. Ebenso würde er allen anderen staatlichen Verpflichtungen nachkommen, solange von ihm nicht gefordert würde, Cäsar die Dinge zu geben, die Gott gehörten“ (The Rise of Christianity).

      11. Welchen Rat gab Paulus den Christen in bezug auf ihr Verhalten gegenüber weltlichen Herrschern?

      11 Das stimmt mit dem überein, was der Apostel Paulus etwas mehr als zwanzig Jahre nach Christi Tod zu den Christen in Rom sagte: „Jede Seele sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan“ (Römer 13:1). Etwa zehn Jahre später, kurz vor seiner zweiten Haft und seiner Hinrichtung in Rom, schrieb Paulus an Titus: „Erinnere sie [die Christen auf Kreta] weiterhin daran, Regierungen und Gewalten als Herrschern untertan und gehorsam zu sein, bereit zu sein für jedes gute Werk, von niemandem nachteilig zu reden, nicht streitsüchtig zu sein, sondern vernünftig, indem sie allen Menschen gegenüber alle Milde an den Tag legen“ (Titus 3:1, 2).

      Fortschreitendes Verständnis in bezug auf die „obrigkeitlichen Gewalten“

      12. (a) Was war nach Ansicht von Charles Taze Russell die richtige Einstellung eines Christen zur Staatsmacht? (b) Welche unterschiedlichen Auffassungen vertraten gesalbte Christen im Ersten Weltkrieg in bezug auf den Militärdienst?

      12 Bereits 1886 schrieb Charles Taze Russell in dem Buch Der göttliche Plan der Zeitalter: „Jesus und die Apostel ... [haben] sich den irdischen Machthabern in keiner Weise entgegengestellt. ... Sie lehrten, die Kirche solle den Gesetzen gehorchen und die um ihres Amtes willen ehren, die dasselbe inne hatten ...; sie sollten ihre bestimmten Abgaben zahlen, und, außer wo sie mit Gottes Gesetzen im Widerspruch stünden (Apg. 4:19; 5:29), den bestehenden Gesetzen keinen Widerstand leisten. (Röm. 13:1—7; Matth. 22:21.) Jesus und die Apostel und die erste Kirche waren dem Gesetze unterthan, obwohl sie von den Obrigkeiten dieser Welt sich fern hielten und keinen Teil daran nahmen.“ In diesem Buch wurden die „obrigkeitlichen Gewalten“, von denen der Apostel Paulus sprach, richtigerweise mit den menschlichen Regierungsgewalten gleichgesetzt (Römer 13:1). 1904 wurde in dem Buch Die neue Schöpfung erklärt, daß wahre Christen „alle Ursache [haben], ihre Achtung vor dem Gesetz in jeder Weise zu bezeugen, und gar keinen Grund zum Agitieren, Händelsuchen oder Kritisieren“. Einige dachten, das würde eine vollständige Unterwerfung unter die bestehenden Gewalten bedeuten, mit der Konsequenz, daß sie während des Ersten Weltkriegs zum Dienst mit der Waffe bereit waren. Für andere stand dies jedoch im Widerspruch zu der Aussage Jesu: „Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Matthäus 26:52). Offensichtlich benötigte man ein genaueres Verständnis, was die Unterwerfung des Christen unter die obrigkeitlichen Gewalten betraf.

      13. Welches geänderte Verständnis bezüglich der obrigkeitlichen Gewalten wurde 1929 dargelegt, und inwiefern war das von Nutzen?

      13 Im Jahr 1929, zu einer Zeit, als verschiedene Regierungen begannen, Dinge, die Gott gebietet, gesetzlich zu untersagen oder andererseits etwas zu fordern, was Gottes Gesetze nicht zulassen, kam man zu der Überzeugung, bei den obrigkeitlichen Gewalten müsse es sich um Jehova Gott und Jesus Christus handeln.b Das war das Verständnis der Diener Jehovas in der schwierigen Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs sowie in der Anfangszeit des kalten Krieges mit seinem Gleichgewicht des Schreckens und der ständigen militärischen Alarmbereitschaft. Rückblickend muß man sagen, daß der damalige Standpunkt, der die Oberhoheit Jehovas und seines Christus hervorhob, Gottes Volk geholfen hat, in dieser schwierigen Zeit stets eine kompromißlos neutrale Haltung einzunehmen.

      Relative Unterordnung

      14. Wie kam es, daß 1962 verstärkt Licht auf Römer 13:1, 2 und die damit in Verbindung stehenden Bibeltexte fiel?

      14 Dann wurde 1961 die englische Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift fertiggestellt. Ihre Abfassung erforderte ein eingehendes Studium des Grundtextes der Bibel. Die genaue Wiedergabe der Worte, die nicht nur in Römer, Kapitel 13 verwendet wurden, sondern auch in Passagen wie Titus 3:1, 2 und 1. Petrus 2:13, 17, ließ deutlich erkennen, daß sich der Begriff „obrigkeitliche Gewalten“ nicht auf die höchste Gewalt, Jehova, und auf seinen Sohn, Jesus, bezieht, sondern auf menschliche Regierungsgewalten. Ab Ende 1962 wurden Wachtturm-Artikel veröffentlicht, die eine genaue Erklärung von Römer, Kapitel 13 enthielten und auch ein klareres Verständnis vermittelten, als man es zur Zeit von C. T. Russell hatte. Wie die Artikel zeigten, kann die Unterordnung eines Christen unter diese Gewalten niemals absolut sein. Sie muß relativ sein, darf also nicht so weit gehen, daß Gottes Diener in Konflikt mit Gottes Gesetzen geraten. Dieser wichtige Gedanke wurde in weiteren Wachtturm-Artikeln hervorgehoben.c

      15, 16. (a) Zu welcher ausgeglicheneren Haltung führte das neue Verständnis von Römer, Kapitel 13? (b) Welche Fragen müssen noch beantwortet werden?

      15 Die Erklärung in bezug auf das korrekte Verständnis von Römer, Kapitel 13 hat es dem Volk Jehovas ermöglicht, zwischen dem gebührenden Respekt vor den politischen Gewalten und dem kompromißlosen Einstehen für unumstößliche biblische Grundsätze abzuwägen (Psalm 97:11; Jeremia 3:15). Dadurch können sie ihr Verhältnis zu Gott und ihre Beziehungen zum Staat im richtigen Licht sehen. So können sie Cäsars Dinge Cäsar zurückzahlen, ohne darüber zu versäumen, Gottes Dinge Gott zurückzuzahlen.

      16 Doch was sind eigentlich Cäsars Dinge? Welche berechtigten Forderungen kann der Staat an einen Christen stellen? Diese Fragen werden im nächsten Artikel behandelt.

  • Cäsars Dinge Cäsar zurückzahlen
    Der Wachtturm 1996 | 1. Mai
    • Cäsars Dinge Cäsar zurückzahlen

      „Erstattet allen, was ihnen gebührt“ (RÖMER 13:7).

      1, 2. (a) Wie sollten Christen gemäß Jesu Worten ihre Verpflichtungen gegenüber Gott und gegenüber dem Cäsar gegeneinander abwägen? (b) Worauf sind Jehovas Zeugen in erster Linie bedacht?

      NACH Aussage Jesu gibt es Dinge, die wir Gott schulden, und Dinge, die wir dem Cäsar, das heißt dem Staat, schulden. Jesus sagte: „Zahlt Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott.“ Mit diesen wenigen Worten erteilte Jesus seinen Gegnern eine Abfuhr und legte die ausgeglichene Einstellung dar, die wir in unserem Verhältnis zu Gott und in unseren Beziehungen zum Staat haben müssen. Kein Wunder, daß seine Zuhörer begannen, „sich über ihn zu verwundern“! (Markus 12:17).

      2 Diener Jehovas sind natürlich in erster Linie darauf bedacht, Gottes Dinge Gott zurückzuzahlen (Psalm 116:12-14). Darüber vergessen sie jedoch nicht die Worte Jesu, daß sie gewisse Dinge dem Cäsar geben müssen. Um ihres biblisch geschulten Gewissens willen müssen sie sich ernsthaft Gedanken darüber machen, inwieweit sie das zurückzahlen können, was der Cäsar fordert (Römer 13:7). In der Neuzeit haben viele Juristen erkannt, daß die Staatsgewalt begrenzt ist und daß alle Menschen und Regierungen an das Naturrecht gebunden sind.

      3, 4. Welche interessanten Äußerungen wurden über das Naturrecht, das offenbarte Gesetz und das menschliche Gesetz gemacht?

      3 Auf dieses Naturrecht bezog sich der Apostel Paulus, als er mit Bezug auf die Menschen in der Welt schrieb, daß „das, was man von Gott erkennen kann, unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbar gemacht. Denn seine unsichtbaren Eigenschaften werden seit Erschaffung der Welt deutlich gesehen, da sie durch die gemachten Dinge wahrgenommen werden, ja seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit, so daß sie unentschuldbar sind.“ Selbst das Gewissen der Ungläubigen folgt, sofern sie danach handeln, dem Naturrecht. Deshalb sagte Paulus weiter: „Wenn immer Menschen von den Nationen, die ohne Gesetz sind, von Natur aus die Dinge des Gesetzes tun, so sind diese Menschen, obwohl sie ohne Gesetz sind, sich selbst ein Gesetz. Sie zeigen ja, daß ihnen der Inhalt des Gesetzes ins Herz geschrieben ist, wobei ihr Gewissen mitzeugt“ (Römer 1:19, 20; 2:14, 15).

      4 Der bekannte englische Jurist William Blackstone schrieb im 18. Jahrhundert: „Da dieses Naturrecht ebenso alt ist wie die Menschheit und von Gott selbst gegeben wurde, ist es bindender als jedes andere Gesetz. Es ist auf der ganzen Welt bindend, in allen Ländern und zu allen Zeiten: Keine Gesetze von Menschen sind gültig, wenn sie diesem widersprechen.“ Blackstone kam weiter auf das „offenbarte Gesetz“ zu sprechen, wie es in der Bibel zu finden ist, und erklärte: „Auf diesen beiden Fundamenten, dem Naturrecht und dem Gesetz der Offenbarung, beruhen alle menschlichen Gesetze, weshalb gesagt werden muß, daß keine menschlichen Gesetze den ersteren widersprechen sollten.“ Das ist im Einklang mit der Aussage, die Jesus gemäß Markus 12:17 über Gott und den Cäsar machte. Demnach gibt es eindeutig Bereiche, wo Gott das einschränkt, was der Cäsar von einem Christen verlangen kann. Es war ein Übergriff auf einen solchen Bereich, als der Sanhedrin den Aposteln gebot, das Predigen über Jesus einzustellen. Zu Recht entgegneten die Apostel: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:28, 29).

      „Gottes Dinge“

      5, 6. (a) Was sollten Christen angesichts der Geburt des Königreiches im Jahr 1914 ganz fest im Sinn behalten? (b) Wodurch beweist ein Christ, daß er ein Diener Gottes ist?

      5 Vor allem seit 1914, als Jehova Gott, der Allmächtige, durch Christi messianisches Königreich als König zu regieren begann, müssen Christen sich vergewissern, daß sie dem Cäsar nichts geben, was zu Gottes Dingen gehört (Offenbarung 11:15, 17). Wie nie zuvor fordert Gottes Gesetz heute von Christen, „kein Teil der Welt“ zu sein (Johannes 17:16). Da wir uns Gott, unserem Lebengeber, hingegeben haben, müssen wir deutlich zeigen, daß wir nicht mehr uns selbst gehören (Psalm 100:2, 3). Wie Paulus erklärte, „gehören wir Jehova“ (Römer 14:8). Da wir bei der Taufe als Diener Gottes ordiniert wurden, können wir zudem im Einklang mit Paulus sagen, daß „uns [Gott] wirklich hinreichend befähigt hat, Diener ... zu sein“ (2. Korinther 3:5, 6).

      6 Der Apostel Paulus schrieb außerdem: „Ich [verherrliche] meinen Dienst“ (Römer 11:13). Das sollten wir sicher ebenfalls tun. Ganz gleich, ob wir im Vollzeitdienst stehen oder nicht, müssen wir im Sinn behalten, daß es Jehova ist, der uns diesen Dienst anvertraut hat (2. Korinther 2:17). Da einige unsere Stellung in Frage ziehen mögen, muß jeder Gott hingegebene, getaufte Christ klare, unumstößliche Beweise dafür liefern können, daß er wirklich ein Diener der guten Botschaft ist (1. Petrus 3:15). Auch sein Lebenswandel sollte mit seinem christlichen Dienst übereinstimmen. Ein Christ sollte als ein Diener Gottes für eine einwandfreie Moral eintreten und dementsprechend leben, Einheit in der Familie bewahren, ehrlich sein und Achtung vor Recht und Ordnung haben (Römer 12:17, 18; 1. Thessalonicher 5:15). Das Wichtigste im Leben eines Christen sind sein Verhältnis zu Gott und der ihm von Gott übertragene Dienst. Er kann dies nicht auf Cäsars Befehl hin aufgeben. Es gehört eindeutig zu ‘Gottes Dingen’.

      „Cäsars Dinge“

      7. Welchen Ruf genießen Jehovas Zeugen in bezug auf das Zahlen von Steuern?

      7 Jehovas Zeugen wissen, daß sie „den obrigkeitlichen Gewalten“, den Regierenden, „untertan“ sein müssen (Römer 13:1). Wenn der Cäsar, der Staat, daher berechtigte Forderungen stellt, gestattet es ihnen ihr biblisch geschultes Gewissen, diese Forderungen zu erfüllen. Wahre Christen gehören beispielsweise zu den vorbildlichsten Steuerzahlern der Welt. Im Münchner Merkur hieß es über Jehovas Zeugen: „Sie gelten als die ehrlichsten und pünktlichsten Steuerzahler der Bundesrepublik“. Die italienische Zeitung La Stampa schrieb: „Sie [Jehovas Zeugen] sind die loyalsten Bürger, die man sich nur wünschen kann: Sie hinterziehen keine Steuern und versuchen nicht, um des eigenen Vorteils willen unbequeme Gesetze zu umgehen.“ Jehovas Diener tun dies ‘ihres Gewissens wegen’ (Römer 13:5, 6).

      8. Beschränkt sich das, was wir dem Cäsar schulden, auf das Bezahlen von Steuern?

      8 Geht es bei ‘Cäsars Dingen’ allein um das Bezahlen von Steuern? Nein. Paulus führte noch andere Dinge an, zum Beispiel Furcht und Ehre. Der deutsche Gelehrte Heinrich Meyer schrieb in seinem Werk Kritisch exegetisches Handbuch über das Evangelium des Matthäus, daß mit Cäsars Dingen „nicht blos die Census-Zahlung, sondern die Leistung alles dessen bezeichnet war, was dem Kaiser vermöge der nun einmal bestehenden rechtlichen Ordnung seines Regiments ... zukam“. Der Historiker E. W. Barnes stellte in seinem Buch fest, daß ein Christ Steuern zahlte, wenn er dies mußte, und „in gleicher Weise allen anderen Verpflichtungen dem Staat gegenüber nachkam, solange man von ihm nicht verlangte, Cäsar die Dinge zu geben, die Gott gehörten“ (The Rise of Christianity).

      9, 10. Was könnte einen Christen davon zurückhalten, dem Cäsar das zu zahlen, was ihm gebührt, doch welche Tatsachen sollten berücksichtigt werden?

      9 Was für Dinge könnte der Staat fordern, ohne sich an etwas zu vergreifen, was rechtmäßig Gott zusteht? Einige sind der Meinung gewesen, man sei einzig und allein dazu berechtigt, dem Cäsar Geld zur Bezahlung von Steuern zu geben. Ihnen wäre offensichtlich nicht wohl dabei gewesen, dem Cäsar irgend etwas zu geben, was Zeit gekostet hätte, die man für theokratische Aktivitäten einsetzen konnte. Es ist zwar zutreffend, daß wir ‘Jehova, unseren Gott, mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Sinn und ganzer Kraft lieben sollen’, aber er erwartet von uns tatsächlich, daß wir nicht nur für unseren heiligen Dienst, sondern auch für andere Dinge Zeit einsetzen (Markus 12:30; Philipper 3:3). Einem verheirateten Christen wird beispielsweise der Rat gegeben, seinem Ehepartner Zeit zu widmen, um ihm zu gefallen. Und obwohl das nichts Unrechtes ist, erklärte der Apostel Paulus, daß es sich dabei um „die Dinge der Welt“ handelt und nicht um „die Dinge des Herrn“ (1. Korinther 7:32-34; vergleiche 1. Timotheus 5:8).

      10 Außerdem gestattete Christus seinen Nachfolgern, Steuern ‘zurückzuzahlen’, und das erfordert gewiß die Verwendung von Zeit, auf die Jehova einen Anspruch hat, da wir ja unser ganzes Leben in den Dienst für Jehova gestellt haben. Wenn beispielsweise in einem Land der durchschnittliche Steuersatz 33 Prozent des Einkommens beträgt (in manchen Ländern liegt er höher), bedeutet das für einen Berufstätigen, daß er jedes Jahr in etwa das Einkommen von vier Monaten an das Finanzamt abgibt. Man könnte es auch so ausdrücken: Ein Berufstätiger hat am Ende seiner üblichen Lebensarbeitszeit zusammengenommen ungefähr 15 Jahre damit verbracht, die Steuergelder zu verdienen, die der „Cäsar“ verlangt. Oder nehmen wir den Schulbesuch. In den meisten Ländern ist es gesetzlich vorgeschrieben, daß Eltern ihre Kinder zumindest eine bestimmte Anzahl von Jahren in die Schule schicken. Die Länge der Schulzeit ist von Land zu Land verschieden. Fast überall handelt es sich um eine relativ lange Zeit. Es stimmt zwar, daß die Schulbildung eigentlich nutzbringend ist, aber es ist der Cäsar, der darüber entscheidet, wieviel Zeit ein Kind in seinem Leben damit verbringen muß, und christliche Eltern halten sich an die Entscheidung des Cäsars.

      Kriegs- oder Militärdienst

      11, 12. (a) Was gehört in vielen Ländern zu den Forderungen des Cäsars? (b) Wie waren die ersten Christen zum Kriegsdienst eingestellt?

      11 Zu den Forderungen des Cäsars gehört in manchen Ländern auch die Ableistung des Kriegs- oder Militärdienstes. Im 20. Jahrhundert wurde sie in Kriegszeiten von den meisten Nationen eingeführt, und einige behielten sie auch in Friedenszeiten bei. In Frankreich wurde diese Pflicht jahrelang als Blutsteuer bezeichnet, was anzeigte, daß jeder junge Mann bereit sein mußte, sein Leben für den Staat zu opfern. Kann jemand, der sich Jehova hingegeben hat, so etwas mit gutem Gewissen tun? Wie waren die Christen des ersten Jahrhunderts dazu eingestellt?

      12 Die ersten Christen bemühten sich zwar, gute Staatsbürger zu sein, doch ihr Glaube ließ es nicht zu, anderen das Leben zu nehmen oder ihr eigenes Leben für den Staat zu opfern. In der Encyclopedia of Religion wird erklärt: „Die ältesten Kirchenväter, darunter Tertullian und Origenes, bestätigen, daß Christen keine Menschen töten durften, und wegen dieses Grundsatzes dienten sie nicht im römischen Heer.“ Professor C. J. Cadoux schreibt: „Mindestens bis zur Herrschaft des Mark Aurel [161 bis 180 u. Z.] wurde kein Christ nach seiner Taufe Soldat“ (The Early Church and the World).

      13. Warum hat man in der Christenheit im allgemeinen eine andere Einstellung zum Kriegs- oder Militärdienst als die ersten Christen?

      13 Warum sehen die Mitglieder der Kirchen der Christenheit die Sache heute ganz anders? Der Grund ist der radikale Wechsel, der im vierten Jahrhundert eintrat. In dem katholischen Werk Conciliengeschichte wird in Verbindung mit der Synode von Arles (abgehalten 314 u. Z.) erklärt: „Weil nämlich ... unter den heidnischen Kaisern viele Christen religiöse Bedenken gegen den Kriegsdienst hatten und sich geradezu weigerten, Kriegsdienste zu leisten, oder auch deserti[e]rten, ... [hat] unsere Synode wegen der durch Constantin eingetretenen Aenderung die Verpflichtung des Christen zum Kriegsdienst ausgesprochen ...: weil jetzt die Kirche F r i e d e n habe (in pace) unter einem christenfreundlichen Fürsten“. Auf Grund dieser Preisgabe der Lehren Jesu hat die Geistlichkeit der Christenheit von damals bis heute ihre Herden ermuntert, in den nationalen Streitkräften zu dienen; Einzelpersonen haben allerdings den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigert.

      14, 15. (a) Mit welcher Begründung beantragen Christen in manchen Ländern eine Freistellung vom Kriegs- oder Militärdienst? (b) Welche biblischen Grundsätze werden einem Christen helfen, in bezug auf den Kriegs- oder Militärdienst die richtige Entscheidung zu treffen, wenn keine Freistellung möglich ist?

      14 Sind Christen heute verpflichtet, in dieser Hinsicht der Mehrheit zu folgen? Nein. Wenn ein Gott hingegebener, getaufter Christ in einem Land lebt, wo Religionsdienern eine Freistellung vom Kriegs- oder Militärdienst gewährt wird, kann er sich diese Vorkehrung zunutze machen, da er tatsächlich ein solcher ist (2. Timotheus 4:5). Eine Reihe von Staaten, zum Beispiel die Vereinigten Staaten und Australien, haben diese Freistellung sogar in Kriegszeiten gewährt. Und in Friedenszeiten werden in vielen Ländern mit allgemeiner Wehrpflicht Jehovas Zeugen als Religionsdiener freigestellt. So können sie den Menschen weiterhin durch ihre öffentliche Tätigkeit helfen.

      15 Wie verhält es sich jedoch, wenn der Christ in einem Land lebt, wo es keine Freistellung als Religionsdiener gibt? Dann wird er eine persönliche Entscheidung treffen müssen, bei der er seinem biblisch geschulten Gewissen folgt (Galater 6:5). Unter Berücksichtigung der Autorität des Cäsars wird er sorgfältig abwägen, was er Jehova schuldet (Psalm 36:9; 116:12-14; Apostelgeschichte 17:28). Er wird daran denken, daß das Kennzeichen eines wahren Christen die Liebe zu allen seinen Glaubensbrüdern ist, auch zu denjenigen, die in anderen Ländern leben oder anderen Volksgruppen angehören (Johannes 13:34, 35; 1. Petrus 2:17). Er wird auch die biblischen Grundsätze nicht außer acht lassen, die aus Texten wie Jesaja 2:2-4, Matthäus 26:52, Römer 12:18; 14:19, 2. Korinther 10:4 und Hebräer 12:14 hervorgehen.

      Zivile Dienste

      16. Was für einen zivilen Dienst fordert der Cäsar in einigen Ländern von denen, die den Kriegs- oder Militärdienst verweigern?

      16 Es gibt auch Länder, wo der Staat zwar keine Freistellung von Religionsdienern vorsieht, Einzelpersonen jedoch die Möglichkeit einräumt, den Kriegs- oder Militärdienst zu verweigern. In vielen dieser Länder ist vorgesehen, daß Personen, die ihrem Gewissen folgen, nicht zum Kriegsdienst gezwungen werden. Manche Länder verlangen von den Betreffenden, Zivildienst zu leisten, zum Beispiel eine nützliche Tätigkeit für das Allgemeinwohl zu verrichten, die als nichtmilitärische Dienstpflicht betrachtet wird. Könnte ein Christ einen solchen Dienst durchführen? Auch in diesem Fall muß ein Gott hingegebener, getaufter Christ eine persönliche Entscheidung treffen, gestützt auf sein biblisch geschultes Gewissen.

      17. Gibt es ein biblisches Beispiel für zivilen Dienst?

      17 Wie es scheint, gab es auch in biblischer Zeit einen Zwangsdienst. In einem Geschichtsbuch heißt es: „Zusätzlich zu den Steuern und den Abgaben, die von den Einwohnern Judäas erhoben wurden, gab es auch einen Frondienst [unbezahlte Arbeit, die von der Obrigkeit gefordert wurde]. Diese Einrichtung bestand im Orient schon sehr lange, und sie wurde von der hellenistischen und der römischen Obrigkeit beibehalten. ... Auch das Neue Testament führt Beispiele für einen Frondienst in Judäa an, wodurch gezeigt wird, wie weit verbreitet er war. Im Einklang mit diesem Brauch zwangen die Soldaten Simon von Kyrene, Jesu Kreuz [Marterpfahl] zu tragen (Matthäus 5:41; 27:32; Markus 15:21; Lukas 23:26).“

      18. Bei welcher Art von zivilem Dienst, der nichts mit Religion zu tun hat, wirken Zeugen Jehovas häufig mit?

      18 In ähnlicher Weise wird heute in manchen Ländern von seiten des Staates oder von seiten kommunaler Behörden verlangt, daß sich die Bürger an verschiedenen Formen eines Dienstes für die Allgemeinheit beteiligen. Manchmal geht es um spezielle Aufgaben, beispielsweise das Graben von Brunnen oder den Straßenbau; in einigen Fällen wird eine regelmäßige Beteiligung verlangt, zum Beispiel allwöchentlich bei der Reinigung von Straßen, Schulen oder Krankenhäusern mitzuhelfen. Auch Zeugen Jehovas leisten häufig einen solchen zivilen Dienst, der dem Allgemeinwohl dient und weder etwas mit der falschen Religion zu tun hat noch in anderer Weise mit ihrem Gewissen unvereinbar ist (1. Petrus 2:13-15). Dadurch wird zumeist ein hervorragendes Zeugnis gegeben, und es bringt manchmal diejenigen zum Schweigen, die Jehovas Zeugen zu Unrecht der Ablehnung des Staates beschuldigen. (Vergleiche Matthäus 10:18.)

      19. Wie sollte ein Christ an die Angelegenheit herangehen, wenn ihn der Cäsar auffordert, für einen begrenzten Zeitraum einen zivilen Dienst durchzuführen?

      19 Doch was ist, wenn der Staat von einem Christen für einen begrenzten Zeitraum einen zivilen Dienst verlangt, der Bestandteil einer staatlichen Dienstpflicht ist, die unter der Verwaltung einer Zivilbehörde steht? Auch in diesem Fall muß der Christ eine persönliche Gewissensentscheidung treffen, nachdem er sich informiert hat. „Wir werden alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen“ (Römer 14:10). Christen, die mit einer Forderung des Cäsars konfrontiert werden, sollten sich unter Gebet mit der Angelegenheit befassen und ernsthaft darüber nachdenken.a Vielleicht empfiehlt es sich auch, mit reifen Christen in der Versammlung darüber zu sprechen. Eine Entscheidung muß dann jeder persönlich treffen (Sprüche 2:1-5; Philipper 4:5).

      20. Welche Fragen und welche biblischen Grundsätze helfen einem Christen, die Angelegenheit eines zivilen Dienstes zu durchdenken?

      20 Bei ihren Nachforschungen müssen jene Christen eine Reihe biblischer Grundsätze im Sinn behalten. Paulus sagte, daß Christen ‘Regierungen und Gewalten als Herrschern gehorsam, bereit für jedes gute Werk und vernünftig sein müssen, indem sie allen Menschen gegenüber alle Milde an den Tag legen’ (Titus 3:1, 2). Gleichzeitig wäre es für diese Christen angebracht, sich über die vorgesehene zivile Tätigkeit zu informieren. Könnte jemand, der sie annimmt, die christliche Neutralität bewahren? (Micha 4:3, 5; Johannes 17:16). Hat sie irgend etwas mit der falschen Religion zu tun? (Offenbarung 18:4, 20, 21). Wird man durch die Tätigkeit möglicherweise daran gehindert oder ungebührlich darin eingeschränkt, seinen christlichen Verpflichtungen nachzukommen? (Matthäus 24:14; Hebräer 10:24, 25). Oder könnte man weiterhin in geistiger Hinsicht Fortschritte machen, vielleicht sogar im Vollzeitdienst stehen, während man den geforderten Dienst leistet? (Hebräer 6:11, 12).

      21. Wie sollte die Versammlung einen Bruder ungeachtet seiner Entscheidung in bezug auf einen zivilen Dienst betrachten?

      21 Was wäre, wenn die ehrliche Beantwortung dieser Fragen einen Christen zu dem Schluß kommen ließe, der zivile Dienst sei ein ‘gutes Werk’, etwas, was er im Gehorsam gegenüber der Obrigkeit ausführen kann? Das wäre seine Entscheidung vor Jehova. Die ernannten Ältesten sollten, wie alle anderen auch, das Gewissen des Bruders voll und ganz respektieren und ihn weiterhin als Christen betrachten, der in gutem Ruf steht. Sollte ein Christ dagegen das Empfinden haben, diesen zivilen Dienst nicht leisten zu können, sollte auch seine Haltung respektiert werden. Dadurch ändert sich nichts an seinem guten Ruf, und er sollte liebevolle Unterstützung erhalten (1. Korinther 10:29; 2. Korinther 1:24; 1. Petrus 3:16).

      22. Was werden wir unter allen Umständen weiterhin tun?

      22 Christen werden nicht aufhören, „dem, der Ehre verlangt, die Ehre [zu erstatten]“ (Römer 13:7). Wir werden angebrachte Ordnung achten und uns bemühen, friedliche, gesetzestreue Bürger zu sein (Psalm 34:14). Gegebenenfalls werden wir sogar „in bezug auf Könige und alle, die in hoher Stellung sind“, beten, wenn diese Personen Entscheidungen fällen müssen, die unser christliches Leben und unsere christliche Tätigkeit betreffen. Wenn wir Cäsars Dinge Cäsar zurückzahlen, können wir darauf hoffen, daß „wir weiterhin ein ruhiges und stilles Leben führen können in völliger Gottergebenheit und Ernsthaftigkeit“ (1. Timotheus 2:1, 2). Vor allem werden wir aber fortfahren, die gute Botschaft vom Königreich als einzige Hoffnung für die Menschheit zu predigen, und gewissenhaft Gottes Dinge Gott zurückzahlen.

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