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    Der Wachtturm 1993 | 15. Oktober
    • Den Schlüssel zu brüderlicher Zuneigung finden

      „Reicht dar ... zu eurer Gottergebenheit brüderliche Zuneigung“ (2. PETRUS 1:5-7).

      1. Was ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb Zusammenkünfte von Dienern Jehovas so freudige Anlässe sind?

      EIN Arzt, der kein Zeuge Jehovas war, wohnte einer Abschlußfeier der Wachtturm-Bibelschule Gilead bei. Seine Tochter hatte diese Schule besucht, um für den Missionardienst ausgebildet zu werden. Die Freude der Anwesenden beeindruckte den Arzt so sehr, daß er meinte, unter diesen Leuten könne es nur sehr wenig Kranke geben. Wieso waren die Anwesenden so freudig? Was macht eigentlich jedes Zusammensein von Dienern Jehovas — sei es eine Versammlungszusammenkunft, ein Kreis- oder ein Bezirkskongreß — zu einem freudigen Ereignis? Ist es nicht die brüderliche Zuneigung, mit der sie einander begegnen? Zweifellos ist die brüderliche Zuneigung e i n Grund, weshalb es heißt, keiner anderen religiösen Gruppe bereite die Religion so viel Freude und Befriedigung wie Jehovas Zeugen.

      2, 3. Welche zwei griechischen Wörter drücken aus, was wir füreinander empfinden sollten, und durch welche Merkmale unterscheiden sie sich?

      2 Angesichts der Worte des Apostels Petrus aus 1. Petrus 1:22 sollten wir eigentlich erwarten, diese brüderliche Zuneigung beobachten zu können. Er schrieb: „Da ihr nun eure Seelen durch euren Gehorsam gegenüber der Wahrheit mit ungeheuchelter brüderlicher Zuneigung als Ergebnis geläutert habt, so liebt einander inbrünstig von Herzen.“ Ein Grundbaustein des hier mit „brüderlicher Zuneigung“ wiedergegebenen griechischen Wortes ist philía (Zuneigung). In seiner Bedeutung ist es eng mit dem Wort agápē verwandt, das gewöhnlich mit „Liebe“ übersetzt wird (1. Johannes 4:8). Die Begriffe brüderliche Zuneigung und Liebe sind zwar häufig untereinander austauschbar, doch weisen sie spezifische Bedeutungsmerkmale auf. Man darf die beiden Begriffe nicht miteinander verwechseln, wie viele Bibelübersetzer es tun. (In diesem Artikel und in dem folgenden werden beide Begriffe behandelt.)

      3 Was den Unterschied zwischen diesen beiden griechischen Wörtern angeht, bemerkte ein Gelehrter: „Philia war ... unzweideutig ein Wort der Sympathie, der engen Verbundenheit, der Zuneigung und der Herzlichkeit.“ Dagegen hat agápē mehr mit dem Verstand zu tun. Wir werden beispielsweise aufgefordert, unsere Feinde zu lieben (agápē), doch wir haben keine Zuneigung zu ihnen. Warum nicht? Weil ‘schlechte Gesellschaft nützliche Gewohnheiten verdirbt’ (1. Korinther 15:33). Ein weiterer Hinweis darauf, daß ein Unterschied vorliegt, sind die Worte des Apostels Petrus: „Reicht dar ... zu eurer brüderlichen Zuneigung Liebe“ (2. Petrus 1:5-7; vergleiche Johannes 21:15-17).a

      Beispiele für eine ganz besondere brüderliche Zuneigung

      4. Warum hatten Jesus und Johannes besondere Zuneigung zueinander?

      4 Gottes Wort liefert uns viele vorzügliche Beispiele für eine ganz besondere brüderliche Zuneigung. Diese Zuneigung entspringt nicht einer Laune, sondern beruht auf der Wertschätzung für hervorragende Eigenschaften. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Zuneigung, die Jesus Christus zu dem Apostel Johannes hatte. Jesus hatte ohne Zweifel zu allen seinen treuen Aposteln brüderliche Zuneigung, und zwar aus gutem Grund (Lukas 22:28). Das bewies er unter anderem dadurch, daß er ihnen die Füße wusch, wodurch er ihnen überdies eine Lektion in Demut erteilte (Johannes 13:3-16). Aber zu Johannes hatte Jesus eine besondere Zuneigung, worauf Johannes wiederholt aufmerksam macht (Johannes 13:23; 19:26; 20:2). Jesus hatte Grund, seinen Jüngern und Aposteln gegenüber Zuneigung zu bekunden, aber Johannes hatte eine tiefere Wertschätzung für Jesus, was diesem wahrscheinlich Grund zu besonderer Zuneigung zu Johannes gab. Das lassen die Schriften des Johannes erkennen — sowohl sein Evangelium als auch seine inspirierten Briefe. Wie häufig erwähnt er doch darin die Liebe! Seine größere Wertschätzung für Jesu gottgefällige Eigenschaften spricht nicht nur aus den Worten, die in Johannes, Kapitel 1 und Kapitel 13 bis 17 zu finden sind, sondern auch aus seinen wiederholten Hinweisen auf Jesu vormenschliche Existenz (Johannes 1:1-3; 3:13; 6:38, 42, 58; 17:5; 18:37).

      5. Was ist über die besondere Zuneigung zu sagen, die Paulus und Timotheus zueinander hatten?

      5 Die ganz besondere brüderliche Zuneigung, die der Apostel Paulus und sein christlicher Gefährte Timotheus zueinander hatten, sollten wir ebenfalls nicht übersehen — eine Zuneigung, die bestimmt darauf beruhte, daß sie einander wegen ihrer Eigenschaften schätzten. Paulus sprach in seinen Briefen gut von Timotheus. Er schrieb zum Beispiel: „Ich habe sonst niemand, der die gleiche Einstellung hat wie er und sich mit echter Sorge um die euch betreffenden Dinge kümmern wird. ... ihr kennt seine Bewährung, daß er wie ein Kind mit dem Vater mit mir zur Förderung der guten Botschaft wie ein Sklave gedient hat“ (Philipper 2:20-22). In seinen Briefen an Timotheus spricht Paulus ihn viele Male persönlich an, was seine herzliche Zuneigung zu ihm zeigt. Beachten wir beispielsweise 1. Timotheus 6:20: „O Timotheus, behüte, was als anvertrautes Gut bei dir hinterlegt ist.“ (Siehe auch 1. Timotheus 4:12-16; 5:23; 2. Timotheus 1:5; 3:14, 15.) Die besondere Zuneigung, die Paulus zu diesem jungen Mann hatte, wird insbesondere deutlich, wenn man die Briefe an Timotheus mit dem Brief an Titus vergleicht. Timotheus muß über die Freundschaft mit Paulus ebenso gedacht haben, wie die Worte des Paulus aus 2. Timotheus 1:3, 4 erkennen lassen: „Ich [gedenke] unablässig deiner in meinem Flehen ..., indem ich mich ... danach sehne, dich zu sehen, da ich deiner Tränen gedenke, damit ich mit Freude erfüllt werde.“

      6, 7. Was empfanden David und Jonathan füreinander, und warum?

      6 Auch in den Hebräischen Schriften finden wir vorzügliche Beispiele, unter anderem dasjenige Davids und Jonathans. Wir lesen, daß, nachdem David Goliath getötet hatte, „sich Jonathans Seele mit Davids Seele verband, und Jonathan begann ihn zu lieben wie seine eigene Seele“ (1. Samuel 18:1). Jonathans besondere Zuneigung zu David war zweifellos dem Umstand zuzuschreiben, daß er Davids beispielhaften Eifer für den Namen Jehovas schätzte und die Furchtlosigkeit, mit der David dem Riesen Goliath gegenübergetreten war.

      7 Jonathan hatte eine solche Zuneigung zu David, daß er sogar sein eigenes Leben aufs Spiel setzte, indem er David gegen König Saul in Schutz nahm. Zu keiner Zeit ärgerte er sich darüber, daß David von Jehova zum künftigen König über Israel erwählt worden war (1. Samuel 23:17). Eine ebenso tiefe Zuneigung hatte David zu Jonathan, wie die Worte zeigen, mit denen er den Tod Jonathans betrauerte: „Ich bin bekümmert deinetwegen, mein Bruder Jonathan, sehr angenehm warst du mir. Wunderbarer war mir deine Liebe als die Liebe von Frauen.“ Ihr Verhältnis zeichnete sich wirklich durch große Wertschätzung füreinander aus (2. Samuel 1:26).

      8. Welche beiden Frauen hatten besondere Zuneigung zueinander, und warum?

      8 In den Hebräischen Schriften finden wir auch ein Beispiel für die besondere Zuneigung, die zwei Frauen — Noomi und ihre verwitwete Schwiegertochter Ruth — zueinander hatten. Beachten wir, was Ruth zu Noomi sagte: „Dränge mich nicht, dich zu verlassen, davon umzukehren, dich zu begleiten; denn wohin du gehst, werde ich gehen, und wo du die Nacht verbringst, werde ich die Nacht verbringen. Dein Volk wird mein Volk sein und dein Gott mein Gott“ (Ruth 1:16). Müssen wir nicht schlußfolgern, daß Noomi durch ihren Lebenswandel und dadurch, daß sie über Jehova sprach, dazu beigetragen hatte, daß Ruth eine solche Wertschätzung zum Ausdruck brachte? (Vergleiche Lukas 6:40.)

      Das Beispiel des Apostels Paulus

      9. Was zeigt, daß Paulus auf mustergültige Weise brüderliche Zuneigung offenbarte?

      9 Wie wir gesehen haben, hatte der Apostel Paulus eine ganz besondere brüderliche Zuneigung zu Timotheus. Aber er gab auch ein ausgezeichnetes Beispiel durch seine herzliche brüderliche Zuneigung zu seinen Brüdern im allgemeinen. Den Ältesten aus Ephesus sagte er, daß er „drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden unter Tränen ernstlich zu ermahnen“. Herzliche brüderliche Zuneigung? Ohne Zweifel! Und sie empfanden ihm gegenüber dasselbe. Als sie hörten, daß sie ihn nicht wiedersehen würden, „brachen alle in ziemlich starkes Weinen aus, und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn zärtlich“ (Apostelgeschichte 20:31, 37). Brüderliche Zuneigung, die auf Wertschätzung beruhte? Ja! Seine brüderliche Zuneigung spricht auch aus seinen Worten in 2. Korinther 6:11-13: „Unser Mund hat sich vor euch aufgetan, ihr Korinther, unser Herz ist weit geworden. Ihr habt in uns keinen engen Raum, aber in euren eigenen Gefühlen inniger Zuneigung habt ihr engen Raum. So werdet als Entgelt — ich rede wie zu Kindern — auch ihr weit.“

      10. Welche Anzeichen für mangelnde brüderliche Zuneigung veranlaßten Paulus, in 2. Korinther, Kapitel 11 von seinen Prüfungen zu berichten?

      10 Vielen Korinthern mangelte es eindeutig an Wertschätzung für den Apostel Paulus und an brüderlicher Zuneigung zu ihm. Einige beklagten sich beispielsweise, indem sie sagten: „Seine Briefe sind gewichtig und kraftvoll, aber seine persönliche Gegenwart ist schwach und seine Rede verächtlich“ (2. Korinther 10:10). Paulus kam deshalb auf ihre „superfeinen Apostel“ zu sprechen und fühlte sich bewogen, von den Prüfungen zu berichten, die er durchgemacht hatte, wie in 2. Korinther 11:5, 22-33 nachzulesen ist.

      11. Welches Zeugnis liegt über die Zuneigung des Paulus zu den Christen in Thessalonich vor?

      11 Welch eine herzliche Zuneigung Paulus zu denjenigen hatte, denen er diente, zeigen besonders seine Worte aus 1. Thessalonicher 2:8: „Da wir ... eine innige Zuneigung zu euch haben, hat es uns wohlgefallen, euch nicht nur an der guten Botschaft Gottes teilhaben zu lassen, sondern auch an unseren eigenen Seelen, weil ihr uns lieb geworden wart.“ Ja, er hatte eine solche Zuneigung zu diesen neuen Brüdern, daß er es kaum erwarten konnte, zu erfahren, wie sie die Verfolgung überstanden hatten, und aus diesem Grund Timotheus zu ihnen sandte, der dann mit einem guten, für Paulus sehr ermutigenden Bericht zurückkehrte (1. Thessalonicher 3:1, 2, 6, 7). Treffend heißt es in dem Werk Einsichten über die Heilige Schrift: „Zwischen Paulus und denjenigen, denen er diente, [bestand] ein inniges Band brüderlicher Zuneigung.“

      Wertschätzung — der Schlüssel zu brüderlicher Zuneigung

      12. Welche Gründe gibt es dafür, herzliche Zuneigung zu unseren Brüdern zum Ausdruck zu bringen?

      12 Der Schlüssel zu brüderlicher Zuneigung ist zweifellos Wertschätzung. Haben nicht alle getauften Diener Jehovas Eigenschaften, die wir schätzen und die bei uns Zuneigung zu ihnen hervorrufen, so daß wir die Betreffenden mögen? Wir alle suchen zuerst Gottes Königreich und seine Gerechtigkeit. Wir alle kämpfen mutig gegen unsere drei gemeinsamen Feinde: Satan und seine Dämonen, die verderbte Welt unter der Herrschaft Satans und die ererbten selbstsüchtigen Neigungen des gefallenen Fleisches. Sollten wir eigentlich nicht immer davon überzeugt sein, daß unsere Brüder in Anbetracht der Umstände ihr Bestes tun? Jeder Erdbewohner steht entweder auf der Seite Jehovas oder auf der Seite Satans. Unsere Brüder und Schwestern, die sich Gott hingegeben haben, stehen auf der Seite Jehovas, ja auf unserer Seite, und sie verdienen daher unsere brüderliche Zuneigung.

      13. Warum sollten wir herzliche Zuneigung zu den Ältesten haben?

      13 Wie verhält es sich mit der Wertschätzung für die Ältesten? Sollten sie nicht einen Platz in unserem Herzen haben angesichts ihrer unermüdlichen mühevollen Arbeit im Interesse der Versammlung? Wie wir alle müssen auch sie für sich und ihre Angehörigen sorgen. Sie haben die gleichen Verpflichtungen wie die übrigen von uns, nämlich persönlich zu studieren, die Versammlungszusammenkünfte zu besuchen und sich am Predigtdienst zu beteiligen. Darüber hinaus haben sie die Verpflichtung, Programmpunkte für die Zusammenkünfte vorzubereiten, öffentliche Vorträge zu halten und sich der Probleme in der Versammlung anzunehmen, was mitunter bedeutet, stundenlang in einem Rechtskomitee mitzuwirken. Ja, wir sollten ‘Männer von dieser Art weiterhin werthalten’ (Philipper 2:29).

      Brüderliche Zuneigung zum Ausdruck bringen

      14. Welche Bibeltexte gebieten uns, brüderliche Zuneigung zum Ausdruck zu bringen?

      14 Damit wir Jehova gefallen, müssen wir wie Jesus Christus und Paulus herzliche brüderliche Zuneigung zu unseren Glaubensbrüdern zum Ausdruck bringen. Wir lesen: „Habt in ... [brüderlicher Zuneigung] innige Zuneigung zueinander“ (Römer 12:10, Kingdom Interlinear Translation). „Was jedoch die brüderliche Liebe [„brüderliche Zuneigung“, Int] betrifft, so habt ihr nicht nötig, daß wir euch schreiben, denn ihr selbst seid von Gott gelehrt, einander zu lieben“ (1. Thessalonicher 4:9). „Eure brüderliche Liebe [„brüderliche Zuneigung“, Int] bleibe“ (Hebräer 13:1). Bestimmt gefällt es unserem himmlischen Vater, wenn wir brüderliche Zuneigung zu seinen irdischen Kindern zeigen.

      15. Welche Möglichkeiten gibt es, brüderliche Zuneigung zum Ausdruck zu bringen?

      15 Zur Zeit der Apostel waren Christen es gewohnt, einander mit „heiligem Kuß“ oder mit „einem Kuß der Liebe“ zu grüßen (Römer 16:16; 1. Petrus 5:14). Wahrlich ein Ausdruck brüderlicher Zuneigung! Heutzutage wäre in den meisten Gebieten der Erde ein aufrichtiges freundliches Lächeln und ein fester Händedruck passender. In lateinamerikanischen Ländern wie zum Beispiel in Mexiko begrüßt man sich mit einer Umarmung — wirklich ein Ausdruck der Zuneigung. Die herzliche Zuneigung dieser Brüder könnte einer der Gründe für die große Zunahme in jenen Ländern sein.

      16. Welche Gelegenheiten haben wir, im Königreichssaal brüderliche Zuneigung zum Ausdruck zu bringen?

      16 Strengen wir uns, wenn wir den Königreichssaal betreten, besonders an, brüderliche Zuneigung zum Ausdruck zu bringen? Sie veranlaßt uns, ermutigende Worte zu äußern, besonders gegenüber denen, die bekümmert zu sein scheinen. Wir werden ermuntert: „Redet bekümmerten Seelen tröstend zu“ (1. Thessalonicher 5:14). Das ist bestimmt eine Möglichkeit, andere unsere herzliche brüderliche Zuneigung spüren zu lassen. Eine andere Möglichkeit besteht zum Beispiel darin, Wertschätzung für einen guten öffentlichen Vortrag zum Ausdruck zu bringen, für einen gut gestalteten Programmpunkt oder für die Anstrengungen eines Studierenden in der Theokratischen Predigtdienstschule.

      17. Wie gewann ein Ältester die Zuneigung der Versammlung?

      17 Wie wäre es, wenn wir einige zum Essen einladen würden oder vielleicht zu einem Imbiß nach einer Zusammenkunft, wenn es nicht allzuspät ist? Sollten wir uns nicht von Jesu Rat aus Lukas 14:12-14 leiten lassen? Ein ehemaliger Missionar wurde einmal in einer Versammlung, in der alle übrigen einer anderen Rasse angehörten, zum vorsitzführenden Aufseher ernannt. Er spürte, daß es an brüderlicher Zuneigung mangelte, und so dachte er sich etwas aus, um dieser Situation abzuhelfen. Was? Sonntag für Sonntag lud er eine andere Familie zum Essen ein. Am Ende des Jahres begegneten ihm alle mit herzlicher brüderlicher Zuneigung.

      18. Wie können wir brüderliche Zuneigung zu unseren erkrankten Brüdern und Schwestern zum Ausdruck bringen?

      18 Wenn ein Bruder oder eine Schwester krank ist und sich entweder zu Hause oder im Krankenhaus befindet, sollte brüderliche Zuneigung uns veranlassen, ihn oder sie wissen zu lassen, daß er oder sie uns am Herzen liegt. Oder wie steht es mit denen, die in einem Pflegeheim leben? Warum sie nicht besuchen oder anrufen oder ihnen eine Karte mit ein paar herzlichen Worten senden?

      19, 20. Wie können wir zeigen, daß wir in unserer brüderlichen Zuneigung weit geworden sind?

      19 Bei solchen Äußerungen brüderlicher Zuneigung können wir uns fragen: Bin ich parteiisch, was meine brüderliche Zuneigung betrifft? Sind für meine Äußerungen brüderlicher Zuneigung Faktoren wie Hautfarbe, Bildung oder materielle Besitztümer ausschlaggebend? Sollte ich in meiner brüderlichen Zuneigung weit werden, wozu der Apostel Paulus die Christen in Korinth aufforderte? Brüderliche Zuneigung veranlaßt uns, unsere Brüder positiv zu betrachten und sie wegen ihrer guten Seiten zu schätzen. Brüderliche Zuneigung hilft uns auch, uns über geistige Fortschritte unserer Brüder zu freuen, statt sie deswegen zu beneiden.

      20 Brüderliche Zuneigung sollte uns auch darauf bedacht sein lassen, unseren Brüdern im Predigtdienst zu helfen. Es sollte so sein, wie es in einem unserer Lieder (Nr. 92) heißt:

      „Steht jedem Schwachen liebevoll bei,

      daß er im Dienste mutig auch sei.

      Die jetzt noch jung, vernachlässigt nicht;

      stärkt sie im Glauben, das ist eure Pflicht.“

      21. Welche Reaktion können wir erwarten, wenn wir brüderliche Zuneigung zum Ausdruck bringen?

      21 Vergessen wir nicht, daß beim Bekunden brüderlicher Zuneigung der Grundsatz gilt, den Jesus in seiner Bergpredigt erwähnte: „Übt euch im Geben, und man wird euch geben. Man wird euch ein treffliches, vollgedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß in euren Schoß schütten. Denn mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird euch wieder gemessen werden“ (Lukas 6:38). Es ist zu unserem eigenen Nutzen, wenn wir brüderliche Zuneigung und Achtung gegenüber denjenigen zum Ausdruck bringen, die wie wir Jehova dienen. Wirklich glücklich sind diejenigen, die Freude daran finden, brüderliche Zuneigung zu zeigen.

      [Fußnote]

      a Siehe den folgenden Artikel: „Liebe (agape) — Was auf sie zutrifft und was nicht“.

  • Liebe (agape) — Was auf sie zutrifft und was nicht
    Der Wachtturm 1993 | 15. Oktober
    • Liebe (agape) — Was auf sie zutrifft und was nicht

      „Reicht dar ... zu eurer brüderlichen Zuneigung Liebe“ (2. PETRUS 1:5, 7).

      1. (a) Welcher Eigenschaft wird in der Bibel der Vorrang gegeben? (b) Welche vier griechischen Wörter werden oft mit „Liebe“ übersetzt, und von welcher Liebe ist in 1. Johannes 4:8 die Rede?

      WENN es eine Eigenschaft oder Tugend gibt, der in Gottes Wort, der Bibel, der Vorrang gegeben wird, dann ist es die Liebe. Im Griechischen, der Sprache, in der die Christlichen Schriften ursprünglich geschrieben wurden, existieren vier Wörter, die häufig mit „Liebe“ übersetzt werden. Bei der Liebe, um die es uns jetzt geht, handelt es sich weder um érōs, ein Wort, das in den Christlichen Griechischen Schriften nicht zu finden ist und eine auf geschlechtlicher Anziehung beruhende Liebe bezeichnet, noch um storgḗ, eine Empfindung, die auf Blutsverwandtschaft beruht, noch um philía, eine auf gegenseitiger Achtung beruhende herzliche Freundesliebe, von der in dem vorangehenden Artikel die Rede ist, sondern um agápē — die auf Grundsätzen beruhende Liebe, die man mit Selbstlosigkeit gleichsetzen könnte, die Liebe, auf die sich der Apostel Johannes bezog, als er schrieb: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8, 16).

      2. Was ist über die Liebe (agápē) treffend gesagt worden?

      2 Über diese Liebe (agápē) sagt Professor William Barclay in seinem Buch Aus dem Wortschatz des Neuen Testamentes: „Agape hat etwas mit der Gesinnung zu tun; sie ist nicht einfach ein Gefühl, das ungebeten in unserem Herzen aufsteigt [wie es bei philía der Fall sein kann]; sie ist ein Prinzip, nach dem wir bewußt leben. Agape hat entscheidend mit dem Willen zu tun. Sie ist eine Unterwerfung, ein Sieg, eine Errungenschaft. Niemand hat je natürlicherweise seine Feinde geliebt, sondern dazu bedarf es der Überwindung all unserer natürlichen Neigungen und Gefühle. Diese christliche Liebe — agape ... ist in Wirklichkeit die Kraft, den unliebenswürdigen und unsympathischen Menschen zu lieben.“

      3. Wie betonten Jesus Christus und Paulus die Liebe?

      3 Ja, was die reine Anbetung Jehovas von allen anderen Formen der Anbetung unterscheidet, ist unter anderem der Nachdruck, den sie auf diese Art Liebe legt. Zu Recht führte Jesus Christus folgende Gebote als die beiden größten an: „Das erste ist: ‚... du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Sinn und mit deiner ganzen Kraft.‘ Das zweite ist dieses: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ Kein anderes Gebot ist größer als diese“ (Markus 12:29-31). In 1. Korinther, Kapitel 13 legte der Apostel Paulus ebenso großen Nachdruck auf die Liebe. Nachdem er betont hatte, daß die Liebe als unerläßliche Eigenschaft vorrangig ist, sagte er abschließend: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe“ (1. Korinther 13:13). Jesus erklärte mit Recht, das Kennzeichen seiner Nachfolger sei die Liebe (Johannes 13:35).

      Was auf die Liebe nicht zutrifft

      4. Wie viele Punkte führt Paulus gemäß 1. Korinther 13:4-8 an, um zu zeigen, was auf die Liebe nicht zutrifft, und wie viele, um zu zeigen, was auf sie zutrifft?

      4 Man hat behauptet, es sei leichter, zu sagen, was die Liebe nicht ist, als zu sagen, was sie ist. Daran ist etwas Wahres, denn der Apostel Paulus führt in 1. Korinther 13, dem Kapitel über die Liebe, in den Versen 4 bis 8 neun Punkte an, um zu zeigen, was auf die Liebe nicht zutrifft, und sieben Punkte, um zu zeigen, was auf sie zutrifft.

      5. Wie wird „Eifersucht“ definiert, und in welchem positiven Sinn wird dieses Wort in der Bibel gebraucht?

      5 Als erstes Beispiel dafür, was die Liebe nicht ist, führt Paulus an, daß sie „nicht eifersüchtig“ ist. Das bedarf ein wenig der Erklärung, weil es positive und negative Aspekte der Eifersucht gibt. In einem Wörterbuch wird als Synonym für „Eifersucht“ auch „keine Duldung von Rivalität“ und „Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit“ angeführt. Moses erklärte daher gemäß 2. Mose 34:14: „Du sollst dich nicht vor einem anderen Gott niederwerfen, denn Jehova, dessen Name EIFERER ist, er ist ein eifernder Gott.“ Jehova sagte nach 2. Mose 20:5: „Ich, Jehova, dein Gott, bin ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert.“ In einem ähnlichen Sinn schrieb der Apostel Paulus: „Mit gottgemäßem Eifer bin ich euretwegen eifersüchtig“ (2. Korinther 11:2).

      6. Welche biblischen Beispiele zeigen, warum die Liebe nicht eifersüchtig ist?

      6 Im großen und ganzen hat „Eifersucht“ jedoch eine negative Bedeutung, weshalb sie auch in Galater 5:20 unter die Werke des Fleisches eingereiht wird. Ja, diese Art Eifersucht ist selbstsüchtig und erregt Haß, und Haß ist das Gegenteil von Liebe. Eifersucht veranlaßte Kain, Abel so sehr zu hassen, daß er ihn ermordete, und sie veranlaßte die zehn Halbbrüder Josephs, ihn so sehr zu hassen, daß sie ihn beseitigen wollten. Liebe mißgönnt nicht anderen ihre Besitztümer oder Vorteile, wie es zum Beispiel König Ahab tat, der in eifersüchtiger Weise Naboth seinen Weingarten mißgönnte (1. Könige 21:1-19).

      7. (a) Welche Begebenheit zeigt, daß Jehova Prahlen mißfällt? (b) Warum prahlt die Liebe auch nicht aus Gedankenlosigkeit?

      7 Paulus sagt uns als nächstes, daß die Liebe ‘nicht prahlt’. Prahlen verrät einen Mangel an Liebe, denn man stellt sich dadurch über andere. Jehova mißfallen Prahler, was daran zu erkennen ist, daß er König Nebukadnezar demütigte, als dieser prahlte (Daniel 4:30-35). Oftmals prahlt man aus Gedankenlosigkeit, weil man an den eigenen Leistungen oder an seinen Besitztümern allzusehr Gefallen findet. Einige neigen vielleicht dazu, sich ihres Erfolges im christlichen Predigtdienst zu rühmen. Andere gleichen dem Ältesten, der sich einfach gedrängt fühlte, seine Freunde anzurufen, um ihnen zu sagen, daß er sich einen neuen Wagen für fast 50 000 Dollar gekauft habe. All das ist lieblos, weil sich der Prahler über seine Zuhörer stellt.

      8. (a) Wie ist Jehova zu jemandem eingestellt, der sich aufbläht? (b) Warum verhält sich die Liebe nicht so?

      8 Als nächstes erfahren wir, daß sich die Liebe ‘nicht aufbläht’. Wer sich aufbläht oder hochmütig ist, erhebt sich in liebloser Weise über andere. Eine solche Geisteshaltung ist höchst unweise, denn „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber erweist er unverdiente Güte“ (Jakobus 4:6). Liebe handelt genau gegenteilig; sie betrachtet andere als höher. Paulus schrieb gemäß Philipper 2:2, 3: „Macht meine Freude dadurch voll, daß ihr gleichen Sinnes seid und die gleiche Liebe habt und mit vereinter Seele auf das e i n e bedacht seid, indem ihr nichts aus Streitsucht oder aus Ichsucht tut, sondern in Demut die anderen höher achtet als euch selbst.“ Offenbart man eine solche Gesinnung, so fühlen sich andere wohl, während ein Hochmütiger wegen seiner Streitsucht anderen Unbehagen bereitet.

      9. Warum benimmt sich die Liebe nicht unanständig?

      9 Des weiteren sagt Paulus, daß sich die Liebe ‘nicht unanständig benimmt’. In einem Wörterbuch wird „unanständig“ definiert als „den geltenden Moralbegriffen nicht entsprechend, sittliche Normen verletzend“. Wer sich unanständig (lieblos) benimmt, mißachtet die Gefühle anderer. Einige Bibelübersetzungen geben den griechischen Ausdruck mit „taktlos“ wieder. Eine solche Person mißachtet, was als richtig und geschmackvoll gilt. Bestimmt würde liebevolle Rücksicht auf andere jede Grobheit und alles Unschickliche ausschließen, ja alles, was Anstoß erregt oder andere sogar schockieren könnte.

      Was auf die Liebe auch nicht zutrifft

      10. Inwiefern blickt die Liebe nicht nach ihren eigenen Interessen aus?

      10 Als nächstes heißt es, daß die Liebe ‘nicht nach ihren eigenen Interessen ausblickt’, und zwar dann, wenn sich unsere eigenen Interessen mit denen anderer überschneiden. Der Apostel sagt an anderer Stelle: „Kein Mensch hat je sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es“ (Epheser 5:29). Wenn indes unsere Interessen mit denen eines anderen kollidieren und es nicht um biblische Grundsätze geht, sollten wir uns so verhalten wie Abraham gegenüber Lot und sollten dem anderen den Vortritt lassen (1. Mose 13:8-11).

      11. Was bedeutet es, daß sich die Liebe nicht aufreizen läßt?

      11 Die Liebe ist auch nicht schnell gekränkt. Deshalb sagt uns Paulus: Die Liebe „läßt sich nicht aufreizen“. Sie ist nicht überempfindlich. Sie übt Selbstbeherrschung. Besonders Verheiratete sollten diesen Hinweis beherzigen, indem sie sich davor hüten, ungeduldig und aufbrausend zu reagieren oder einander anzuschreien. Es gibt Situationen, in denen man sich leicht provoziert fühlt, weshalb Paulus es für nötig hielt, an Timotheus zu schreiben: „Ein Sklave des Herrn aber hat es nicht nötig zu streiten, sondern muß gegen alle sanft sein, lehrfähig, der sich unter üblen Umständen beherrscht“ — sich nicht provozieren läßt —, „der mit Milde die ungünstig Gesinnten unterweist“ (2. Timotheus 2:24, 25).

      12. (a) Inwiefern rechnet die Liebe das Böse nicht an? (b) Warum ist es unweise, etwas Böses anzurechnen?

      12 Paulus führt weiter aus, was die Liebe nicht tut, wenn er sagt: „Die Liebe ... rechnet das Böse nicht an.“ Das heißt nicht, daß die Liebe Unrecht nicht bemerkt. Jesus zeigte, wie wir vorgehen sollten, wenn man uns ernsten Schaden zugefügt hat (Matthäus 18:15-17). Die Liebe läßt aber nicht zu, daß wir ständig ärgerlich sind oder Groll hegen. Böses nicht anzurechnen bedeutet, zu vergeben und zu vergessen, sobald eine Sache auf schriftgemäße Weise behandelt worden ist. Ja, quäle dich nicht und mach dich nicht unglücklich, indem du immer wieder auf ein Unrecht zurückkommst und so Böses anrechnest.

      13. Was bedeutet es, sich nicht über Ungerechtigkeit zu freuen, und warum freut sich die Liebe darüber nicht?

      13 Außerdem erfahren wir, daß die Liebe ‘sich nicht über Ungerechtigkeit freut’. Die Welt freut sich über Ungerechtigkeit, was die Beliebtheit von Gewalt verherrlichenden und pornographischen Publikationen, Filmen und Fernsehsendungen zeigt. Eine solche Freude ist selbstsüchtig und zieht weder Gottes gerechte Grundsätze noch das Wohl anderer in Betracht. Dieser Freude zu frönen bedeutet, daß man im Hinblick auf das Fleisch sät und zur bestimmten Zeit vom Fleisch Verderben ernten wird (Galater 6:8).

      14. Wieso können wir zuversichtlich sein, daß die Liebe nie versagt?

      14 Nun zum letzten, was die Liebe nicht tut: „Die Liebe versagt nie.“ Sie versagt oder endet vor allem deshalb nie, weil Gott Liebe ist, und er ist der „König der Ewigkeit“ (1. Timotheus 1:17). In Römer 8:38, 39 wird uns versichert, daß Jehovas Liebe zu uns niemals versagen wird: „Ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, noch Engel, noch Regierungen, noch Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, noch Mächte, noch Höhe, noch Tiefe, noch irgendeine andere Schöpfung imstande sein wird, uns von Gottes Liebe zu trennen, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Die Liebe versagt auch in dem Sinne nie, daß sie sich nie als unzureichend erweist. Die Liebe wird jeder Situation und jeder Herausforderung gerecht.

      Was auf die Liebe zutrifft

      15. Warum erwähnt Paulus in der Aufzählung dessen, was auf die Liebe zutrifft, „langmütig“ an erster Stelle?

      15 Kommen wir nun darauf zu sprechen, was auf die Liebe zutrifft. Paulus sagt: „Die Liebe ist langmütig.“ Wie es heißt, ist ohne Langmut — also ohne einander geduldig zu ertragen — keine christliche Gemeinschaft möglich, und zwar deshalb, weil wir alle unvollkommen sind und durch unsere Unzulänglichkeiten und Fehler andere auf die Probe stellen. Kein Wunder, daß Paulus diesen Aspekt zuerst anführt, wenn es darum geht, was Liebe ist!

      16. Auf welche Weise können Familienmitglieder einander Güte erweisen?

      16 Paulus schreibt, daß die Liebe auch „gütig“ ist. Das heißt, die Liebe ist hilfreich, zuvorkommend und rücksichtsvoll gegenüber anderen. Güte zeigt sich in großen und in kleinen Dingen. Der freundliche Samariter erwies dem Mann, dem Wegelagerer aufgelauert hatten, bestimmt Güte (Lukas 10:30-37). Die Liebe gebraucht gern das Wort „bitte“. Die Worte: „Reich mir das Brot“ sind ein Befehl. Stellt man ihnen „bitte“ voran, so werden sie zu einer Bitte. Ehemänner sind gütig und freundlich zu ihrer Frau, wenn sie den Rat aus 1. Petrus 3:7 befolgen: „Ihr Ehemänner, wohnt gleicherweise weiterhin bei ihnen gemäß Erkenntnis, indem ihr ihnen als einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, Ehre zuteil werden laßt, da auch ihr mit ihnen Erben der unverdienten Gunst des Lebens seid, damit eure Gebete nicht behindert werden.“ Ehefrauen sind gütig und freundlich zu ihrem Mann, wenn sie „tiefen Respekt“ vor ihm bekunden (Epheser 5:33). Väter sind gütig und freundlich zu ihren Kindern, wenn sie den Rat aus Epheser 6:4 beachten: „Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie weiterhin auf in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas.“

      17. In welch zweierlei Hinsicht freut sich die Liebe mit der Wahrheit?

      17 Die Liebe freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sondern „freut sich mit der Wahrheit“. Liebe und Wahrheit gehen Hand in Hand — Gott ist Liebe, und er ist gleichzeitig der „Gott der Wahrheit“ (Psalm 31:5). Die Liebe freut sich, wenn sie feststellt, daß die Wahrheit die Lüge entlarvt und über sie triumphiert; darauf ist zum Teil die heutige große zahlenmäßige Zunahme der Anbeter Jehovas zurückzuführen. Da jedoch die Wahrheit der Ungerechtigkeit gegenübergestellt wird, liegt ebenso der Gedanke nahe, daß sich die Liebe mit der Gerechtigkeit freut. Sie freut sich über den Triumph der Gerechtigkeit, und daher werden auch die Anbeter Jehovas aufgefordert, sich beim Untergang Babylons der Großen zu freuen (Offenbarung 18:20).

      18. In welchem Sinne erträgt die Liebe alles?

      18 Paulus sagt uns auch, daß die Liebe ‘alles erträgt’. Wie die Kingdom Interlinear Translation zeigt, bedeutet dies, daß die Liebe alles zudeckt. Sie ‘gibt nicht den Fehler eines Bruders preis’, was ein Böser zu tun geneigt ist (Psalm 50:20; Sprüche 10:12; 17:9). Ja, hier kommt der gleiche Gedanke zum Ausdruck wie in 1. Petrus 4:8: „Liebe deckt eine Menge von Sünden zu.“ Natürlich würde Loyalität einen davon zurückhalten, schwere Sünden gegen Jehova und gegen die Christenversammlung zuzudecken.

      19. Inwiefern glaubt die Liebe alles?

      19 Die Liebe „glaubt alles“. Die Liebe ist positiv, nicht negativ. Das heißt nicht, daß die Liebe leichtgläubig wäre. Sie ist keinesfalls schnell dabei, sensationelle Aussagen zu glauben. Damit man aber zum Glauben an Gott kommt, muß man glauben wollen. Die Liebe ist daher nicht skeptisch oder ungebührlich kritisch. Weder sträubt sie sich zu glauben, wie es ein Atheist tut, der dogmatisch behauptet, es gebe keinen Gott, noch verhält sie sich wie ein Agnostiker, der dogmatisch versichert, es sei einfach unmöglich, zu wissen, woher wir kommen, warum wir hier sind und was die Zukunft bringt. Gottes Wort läßt uns über all das nicht im ungewissen. Die Liebe ist auch deshalb bereit zu glauben, weil sie nicht ungebührlich mißtrauisch ist, sondern Vertrauen bekundet.

      20. Welche Verbindung besteht zwischen Liebe und Hoffnung?

      20 Der Apostel Paulus versichert uns des weiteren, daß die Liebe ‘alles hofft’. Da die Liebe nicht negativ, sondern positiv ist, hofft sie uneingeschränkt auf all das, was Gottes Wort verheißt. Es wird gesagt, daß „der Pflügende in Hoffnung pflügen sollte und der Dreschende es in der Hoffnung tun sollte, daran teilzuhaben“ (1. Korinther 9:10). So vertrauensvoll, wie die Liebe ist, so hoffnungsvoll ist sie auch, ja sie erhofft stets das Beste.

      21. Welche biblische Zusicherung gibt es dafür, daß die Liebe alles erduldet?

      21 Schließlich wird uns versichert, daß ‘die Liebe alles erduldet’. Den Grund, weshalb sie dazu in der Lage ist, nennt Paulus in 1. Korinther 10:13: „Keine Versuchung hat euch ergriffen, ausgenommen eine allgemein menschliche. Gott aber ist treu, und er wird nicht zulassen, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung wird er auch den Ausweg schaffen, damit ihr sie ertragen könnt.“ Die Liebe veranlaßt uns, die vielen in der Bibel erwähnten Beispiele von Dienern Gottes, die ausgeharrt haben, zu betrachten. Der bedeutendste von ihnen ist Jesus Christus, wie in Hebräer 12:2, 3 gezeigt wird.

      22. Welche hervorragende Eigenschaft zu offenbaren, müssen wir als Kinder Gottes stets bemüht sein?

      22 Ja, die Liebe (agápē) ist die hervorragende Eigenschaft, die wir als Christen, als Zeugen Jehovas, entwickeln müssen, und das eingedenk dessen, was auf sie zutrifft und was nicht. Seien wir als Kinder Gottes stets darum bemüht, diese Frucht des Geistes Gottes zu offenbaren. Das bedeutet, wie Gott zu handeln, denn vergessen wir nicht: „Gott ist Liebe.“

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