Die Schreckensherrschaft wird weltweit bekanntgemacht
IN DEN Zeitungen Malawis wird nichts von den Dingen erwähnt, die Jehovas Zeugen angetan werden. Man versucht zu verhindern, daß die Grausamkeiten ans Licht kommen. Der Grund dafür wird in den Worten Jesu Christi deutlich gezeigt:
„Wer schlechte Dinge treibt, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht gerügt werden. Wer aber das tut, was wahr ist, kommt zum Licht, damit seine Werke als solche kundgemacht werden, die in Harmonie mit Gott gewirkt worden sind“ (Joh. 3:19-21).
Doch obwohl man versucht, die Vorgänge in Malawi totzuschweigen, sind sie bekanntgeworden. In der Zeitung The Japan Times konnte man am 6. Januar 1976 lesen: „Reporter aus dem Westen werden in Malawi und in Moçambique nicht eingelassen und können deshalb die Berichte der Sekte über die Verfolgungen in jenen Ländern nicht bestätigen. Doch die in Südafrika eingehenden Berichte von Mißhandlungen der Zeugen sind zahlreich genug, um ihre Angaben glaubwürdig zu machen.“
Schon zuvor, am 7. Dezember 1975, schrieb Colin Legum in der Londoner Zeitung The Observer: „Zur Zeit kommen Dutzende von Berichten über Grausamkeiten, die an Jehovas Zeugen verübt werden, aus Dörfern in Malawi; darin ist die Rede von grausamen Prügelaktionen, Vergewaltigungen und anderen sexuellen Mißhandlungen und von Foltern. ... Bis ins einzelne gehende Beweise für diese neue Schreckensherrschaft gründen sich auf Angaben, die die Watch Tower Society der Zeugen gesammelt hat, doch diese werden unabhängig davon durch Berichte aus den Dörfern bestätigt.“
Außerhalb Malawis sind Stimmen laut geworden, die dem Entsetzen und der Mißbilligung über diese Vorgänge Ausdruck verleihen. In den USA beispielsweise stand in der Zeitung Public Employee Press (Ausgabe 16. Januar 1976) unter der Überschrift „Nazi-Taktiken in Zentralafrika“ folgendes über die Leiden der Zeugen Jehovas:
„‚Ufulu, ufulu!‘ Dieser Ruf ertönte am 6. Juli 1964 in der Republik Malawi, einem Land in Zentralafrika, das man bis dahin Njassaland genannt hatte. Damit wurde die Geburt dieses Landes verkündet. Es war frei von der Herrschaft der Weißen. Übersetzt heißt das Wort ,Freiheit‘. Der neue Name des Landes [Malawi] bedeutet ,Flammende Wasser‘. Im Jahre 1975 herrschte tatsächlich eine Flamme im Land, ja, ein Feuer, das einer Minderheit von Staatsbürgern Malawis jeglichen Anschein von ufulu wieder weggenommen hat. Zu den Schrecken dieses Brandes gehören Vergewaltigungen, Foltern, unaussprechliche Entwürdigungen und Zerstörung von Eigentum — all dies verübt an gesetzestreuen Bürgern.“
Ein Jahrzehnt des Schreckens
Die Geschichte dieser Greueltaten, die an friedliebenden Christen verübt wurden, ist lang und abscheulich. Die erste Verfolgungswelle kam über Jehovas Zeugen in Malawi im Jahre 1964. Damals hatte sie dieselbe Ursache wie die Verfolgung heute. Jehovas Zeugen sind vertraut mit dem Wort Jesu, ‘sein Königreich sei nicht von dieser Welt’ und seine Nachfolger würden nicht von dieser Welt sein (Joh. 18:36; 15:19). Wegen ihres Gewissens und der Grundsätze der Bibel beteiligen sie sich darum — und das nicht nur in Malawi, sondern weltweit — nicht an der Politik und treten keiner politischen Partei bei. Aus diesem Grund — und allein aus diesem Grund — brannte man im Jahre 1964 über 1 081 ihrer Häuser und mehr als einhundert ihrer Königreichssäle (Zusammenkunftsstätten) ab oder zerstörte sie auf andere Weise.
Im Jahre 1967 gab die in Malawi erscheinende Zeitung The Times bekannt, die Regierung habe Jehovas Zeugen verboten. Dies löste im ganzen Land eine neue Angriffswelle aus. Häuser und Königreichssäle wurden niedergebrannt, die Zeugen wurden verprügelt und ins Gefängnis geworfen. Tausende von Zeugen Jehovas flohen in die Nachbarländer Sambia und Moçambique, um dort Zuflucht zu suchen, bis die Angriffe sich gelegt hätten.
Fünf Jahre später ging die „Malawi Congress Party“ bis zum Äußersten und verabschiedete offiziell eine Resolution, in der gefordert wurde, alle Zeugen sollten von ihren Arbeitsplätzen entlassen werden, sollten daran gehindert werden, ihre Tätigkeit in der Landwirtschaft und im Geschäftsleben fortzuführen, und man sollte sie mit Gewalt aus ihren Heimatdörfern vertreiben. Die Angriffe, die durch diese Resolution hervorgerufen wurden, nahmen in ihrer Roheit neue Ausmaße an. Junge Mädchen wurden mehrmals hintereinander vergewaltigt, Männer bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, und verschiedene Arten der Folterung wurden angewandt — alles, um Jehovas Zeugen zu zwingen, ihre religiöse Überzeugung aufzugeben, ihr Gewissen zu verletzen und Mitgliedskarten für die herrschende politische Partei zu kaufen. Nachdem die Häuser der Zeugen abgebrannt, ihre Ernten vernichtet, ihre Tiere gestohlen oder getötet waren, zogen sie in Scharen aus dem Lande. Schließlich hielten sich über 36 000 von ihnen (einschließlich der Kinder) in zehn verschiedenen Flüchtlingslagern im Nachbarland Moçambique auf.
1975 wurden die meisten dieser Lager von der neuen Regierung in Moçambique geschlossen, wodurch Tausende von Zeugen gezwungen waren, zurück über die Grenze nach Malawi zu gehen. Über die grauenvollen Ereignisse, die sich zufolge der entarteten Angriffe nach ihrer Zwangsrücksiedlung abspielten, wurde in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. Februar 1976 berichtet und darüber hinaus in Zeitungen, Zeitschriften und in Radio- und Fernsehsendungen überall auf der Erde. Der Liste von Greueltaten wurde ein neues Merkmal zugefügt: Außer den gewohnten Prügelaktionen, den Vergewaltigungen und Foltern wurden nun Lager eingerichtet, in die man die Zeugen zusammentrieb.
Erinnerungen an Konzentrationslager werden wach
In der dritten Dezemberwoche 1975 befanden sich mehr als 3 000 männliche Zeugen im Lager Dzaleka in der Nähe von Dowa (nördlich von Lilongwe). Alle waren angeklagt und zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Auch weibliche Zeugen Jehovas kamen in solche Lager. Aus den Informationen, die im Januar 1976 vorlagen, ging hervor, daß über 5 000 Christen, Männer und Frauen, in Malawi gefangengehalten wurden, und weitere wurden festgenommen. An einigen Orten hatten die Frauen ihre Kleinkinder bei sich. Das vielleicht Erschütterndste an den Berichten über diese Lager ist, daß eine ganze Anzahl kleiner Kinder wegen schlechter Ernährung und anderer Umstände gestorben ist.
Einer der Zeugen schrieb aus dem Lager: „Die Gefangenen sind so viele, und es gibt nur 400 Teller. Deshalb müssen manche ihr heißes nshima [ein in Malawi übliches Gericht] in die eine Hand und das Gewürz in die andere Hand nehmen. Oft müssen die Brüder das heiße nshima vom Erdboden essen.“
Getreu dem Beispiel der Nationalsozialisten setzen die Leiter dieser Lager die Zeugen bei Zwangsarbeiten ein. Es ist von Beamten die Rede, die zu den Zeugen gesagt haben: „Nach dem Willen der Regierung machen wir euch zu unseren Traktoren.“ Im Lager Dzaleka zeigte man den Zeugen einen Hügel und verlangte von ihnen, daß sie davon 30 Zentimeter mit der Hand abtragen. Zuerst gab man diesen Befehl den Frauen, in der Meinung, diese würden bald aufgeben und bereit sein, ihr Gewissen zu verletzen. Statt dessen führten sie die mühselige Arbeit aus und hielten an ihrer Überzeugung fest. Die Männer mußten starke Stämme zersägen und wegtragen. Sie wurden auch gezwungen, große Steinblöcke über Entfernungen von bis zu 4 Kilometern zu schleppen. Die Kranken ließ man einfach weiterarbeiten. Die Aufseher spotteten: „Euer Gott wird euch schon helfen.“
Noch immer führen die Politiker die Verfolgung an
Vertreter der Regierung Malawis haben sich nicht nur geweigert, Jehovas Zeugen Erleichterung zu verschaffen, sondern einige von ihnen stacheln immer noch zu fortgesetzten Angriffen an.
In einem Landesteil Malawis sprach der Abgeordnete Katora Phiri in verschiedenen Orten zur Bevölkerung und rief die Leute auf, Jehovas Zeugen noch mehr zuzusetzen. Er forderte sie auf, die Zeugen aus der Gegend auszurotten. Das führte dazu, daß vier Versammlungen der Zeugen Jehovas in diesem Gebiet angegriffen wurden, wobei man die Männer verprügelte.
Am 11. November 1975 setzte ein anderer Abgeordneter namens Muluzu im Dorf Chiendausiku drei Häuser von Zeugen Jehovas in Brand. Am 13. November veranlaßte Muluzu, unterstützt vom Häuptling des Dorfes, daß vier weitere der einfachen Häuser der Zeugen niedergebrannt wurden. Und am 15. November steckte man in den Dörfern Mdala und Mgochi noch zwei Häuser von Zeugen an.
Auch die Polizei Malawis ist nicht frei von Schuld. Im Gebiet von Ncheu verprügelten Jugendliche der „Malawi Congress Party“ christliche Männer und Frauen an mehreren Orten und verletzten sie schwer; eine der Frauen war so schwer geschlagen worden, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Das Krankenhaus meldete diesen Fall der Polizei. Als man die Zeugin entließ, kam die Polizei, doch nicht, um sie zu bitten, die Täter bei der Verhaftung zu identifizieren, sondern um sie selbst festzunehmen! In der Polizeistation Shape Valley wurden Christinnen eine ganze Nacht lang mißbraucht, bevor man sie gefangensetzte.
So unglaublich es erscheinen mag, die Regierung von Malawi hat es bisher nicht für angebracht gehalten, die brutalen Angriffe auf diese religiöse Minderheit, die sich jetzt zum wiederholten Mal ereignen, zu beenden. Immerhin ist es in einigen Gegenden des Landes etwas ruhiger geworden. Manche Dorfbeamten waren so anständig und mitfühlend, den Zeugen zu gestatten, unbelästigt in ihrem Heimatdorf zu wohnen und ihre Gärten zu bebauen. Diese Beamten legen Ehre für ihr Land ein; doch leider sind auch sie in der Minderzahl.
Auf das Problem, daß offizielle Stellen untätig bleiben, wies ein Artikel in der Zeitung The Nigerian Chronicle vom 26. Dezember 1975 hin. Darin wurde auf die in Kenia erscheinende Zeitung Daily Nation Bezug genommen, in der stand, Afrika werde „immer berüchtigter dafür, daß unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden“. Darauf folgte als Erklärung: „Wenn in Amerika, Rußland oder Südafrika, in Indien und China Menschen verfolgt werden, werden die dafür Verantwortlichen einstimmig verdammt. Geschieht aber so etwas in afrikanischen Ländern, halten es noch nicht einmal offizielle Vertreter der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) für nötig, etwas dazu zu sagen.“
Wieder einmal suchten Jehovas Zeugen aus Malawi Zuflucht außerhalb der Grenzen ihres Landes, weil die führenden Persönlichkeiten ihres Landes nichts unternahmen oder sogar selbst an der Verfolgung beteiligt waren. Zum Teil konnten sie Zutritt zum Flüchtlingslager Milange in Moçambique finden. Gemäß einer Nachricht vom Januar 1976 hielten sich zu diesem Zeitpunkt über 12 000 malawische Christen in dem Lager auf, zusammen mit über 10 000 ihrer Glaubensbrüder aus Moçambique, die ähnlichen Erprobungen ihres Glaubens ausgesetzt sind.
Werden Jehovas Zeugen schließlich von ihrem Widerstand abzubringen sein, wenn diese grausame Schreckensherrschaft weiter anhält? Werden sie ihre Lauterkeit gegenüber Jehova Gott aufgeben? Oder werden die Führer Malawis schließlich ihre Christenverfolgung einstellen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der folgende Artikel.